Sicherlich eines der zentralsten Themen in der Schwangerschaft! Arbeitswelt und Schwangerschaft können gut harmonieren, leider zeigt die Erfahrung, dass es genauso häufig zu Kollisionen kommt. Manchmal beruhen diese auf Missverständnissen, leider noch viel häufiger auf Unkenntnis seitens der Schwangeren aber auch der Arbeitgeber!

Hierzu ergeben sich viele Aspekte, die teilweise sehr speziell sind und manchmal eher in den Aufgabenbereich eines Arbeitsrechtlers fallen.

Besteht ein Arbeitsverhältnis, muss der Arbeitgeber offiziell über die Schwangerschaft in Kenntnis gesetzt werden. Die Schwangere ist dazu verpflichtet! Über den richtigen Zeitpunkt kann man trefflich diskutieren, der Gesetzgeber lässt dies bewusst offen. Aber es gilt: so früh wie möglich, so spät wie nötig - Eine medizinische Empfehlung gibt es in dieser Frage nicht! Viele Schwangere warten verständlicherweise die ersten 12-13 SSW ab, um das leidige Thema Abortschwangerschaft möglichst zu umgehen. In bestimmten Fällen wäre es aber wichtig, den Arbeitgeber zu informieren, weil sich aufgrund der Tätigkeit oder der Besonderheit des Arbeitsplatzes arbeitsschutzrechtliche bzw. betriebsmedizinische Aspekte ergeben könnten (Stichwort: absolutes Beschäftigungsverbot). Weiß der Arbeitgeber nichts von einer Schwangerschaft, kann auch kein Beschäftigungsverbot ausgestellt werden. Im Fall der Fälle ist eine sehr frühe Bekanntgabe der Schwangerschaft wirklich sinnvoll.

Im Prinzip ist der Arbeitgeber nach Bekanntwerden einer Schwangerschaft dazu verpflichtet, dies dem zuständigen Gewerbeaufsichtsamt zu melden. Tatsächlich werden dort aber lediglich etwa 60% der Schwangerschaften angezeigt!

Jede Schwangere muss selbst entscheiden, wann sie dem Arbeitgeber die Schwangerschaft anzeigt; einen Königsweg gibt es nicht. Der Arbeitgeber benötigt eine ärztliche Bescheinigung, die den voraussichtlichen Entbindungstermin angibt. Die Kosten für diese Bescheinigung trägt der Arbeitgeber!

Grundsätzlich beginnt der Mutterschutz mit 34 abgeschlossenen SSW (34+0 SSW) also 6 Wochen vor dem errechneten Entbindungstermin (VET) und endet 8 Wochen nach der Entbindung. Diese Frist verlängert sich entsprechend auf 12 Wochen nach Früh- oder Mehrlingsgeburten; bei Frühgeburten zusätzlich um den vor 34 Wochen nicht in Anspruch genommenen Zeitraum (beispielsweise bei einer Geburt nach 32 kpl. SSW um 2 Wochen!).

Unter anderem ist die Tatsache wesentlich, dass einer Schwangeren nicht gekündigt werden kann, es sei denn, es handelt sich um kurzfristige bzw. befristete Beschäftigungsverhältnisse. Vor allem kann nicht wegen der Schwangerschaft gekündigt werden!

Hinsichtlich Arbeitsunfähigkeit (AU, Krankschreibung), absolutem bzw. individuellem Beschäftigungsverbot sowie Freistellung existiert eine babylonische Sprachverwirrung, die an dieser Stelle nicht in extenso erläutert werden kann! Vielleicht so viel an Information: Für eine Krankmeldung ist der jeweils behandelnde Facharzt zuständig und verantwortlich. Ein individuelles Beschäftigungsverbot stellt nach entsprechender Beurteilung mütterlicher und/ oder kindlicher Risikofaktoren der betreuende Frauenarzt aus. Über eine Freistellung entscheidet der Arbeitgeber. Sollten sich arbeitsmedizinische Risiken ergeben, stellt der für den Betrieb zuständige Arbeitsmediziner ein sog. absolutes Beschäftigungsverbot aus. Für manche Situationen gibt es wegen fließender Übergänge mehrere Zuständigkeiten (Ausnahmen bestätigen die Regel).

Grundlegend sollte die Schwangere aktiv und frühzeitig zur Vermeidung von Turbulenzen am Arbeitsplatz immer das offene und persönliche Gespräch mit dem Arbeitgeber suchen. Das Meiste ergibt sich dann situativ von alleine.

Akkordarbeit oder Fließbandtätigkeit sind verboten, Schichtdienst nur innerhalb bestimmter Zeiten (08:00 - 20:00) erlaubt; weitere detaillierte Bestimmungen sind dem Mutterschutzgesetz zu entnehmen (insbesondere §§ 3 und 4 MuSchG).