Die Infektion mit dem HI-Virus stellt für Mutter und Kind sowie das betreuende Personal eine nicht unerhebliche Risikosituation dar. Wichtig sind eine frühe Diagnosestellung und ein umfangreiches und intensives Management.

Möglicherweise wird eine bestehende Infektion durch die Veränderung des Immunsystems während der Schwangerschaft intensiviert. Im Gegensatz zu den Entdeckungsjahren der HIV-Infektion der frühen 1980-er sind Therapieoptionen und Lebensqualität heute deutlich verbessert, die Entwicklung zum Vollbild der Infektion (AIDS) ist wesentlich seltener.

Dennoch sind die Neuerkrankungsraten/ Sterberaten vor allem in weniger entwickelten Ländern immer noch nicht zufriedenstellend gesenkt worden. In den westlichen Ländern ist dagegen die Lebenserwartung unter entsprechender Medikation deutlich gestiegen. Eine effektive Impfung wie sie seit Jahren in Aussicht gestellt wird, existiert nach wie vor nicht!

Nach den Mutterschaftsrichtlinien ist vorgesehen, dass nach Feststellung der Schwangerschaft frühzeitig ein HIV-Test angeboten werden soll, der nach entsprechender Aufklärung und Zustimmung der Schwangeren durchgeführt wird (HIV-Serologie). Bei positiver Testung ist ein interdisziplinäres Therapiemanagement mit einem erfahrenen, meist internistischen Kollegen wichtig. Bei einer durchschnittlichen Transmissionsrate von knapp 30 % ist das Ungeborene während der gesamten Schwangerschaft gefährdet, transplazentar infiziert zu werden (sog. vertikale Transmission). In den ersten 13 SSW erfolgt eine Infektion des Kindes allerdings nur selten, weshalb die Indikation für einen Schwangerschaftsabbruch bei HIV-Positivität nur selten gestellt wird.

Die Infektionsrate zeigt einen engen Zusammenhang mit der sog. Viruslast also der Anzahl von Viruskopien im Blut der Schwangeren. Weitere Risikofaktoren der fetalen Infektion ergeben sich unter Wehentätigkeit, nach vorzeitigem Blasensprung oder über den Kontakt mit Vaginalsekret bei einer vaginalen Geburt. Ein weiterer potentieller Viruskontakt ergibt sich bei einer invasiven Diagnostik (Fruchtwasseruntersuchung/ Chorionzottenbiopsie), die demnach nur nach strenger Indikationsstellung und unter entsprechender Prophylaxe mit z. B. Zidovudin erfolgen muss! Zur Diagnostik einer möglichen fetalen Infektion ist die Invasivdiagnostik absolut kontraindiziert, nachdem die vertikale Transmission zu jedem Zeitpunkt der Schwangerschaft erfolgen kann.

Neben üblichen Vorsorgemaßnahmen mit sonographischer Pränataldiagnostik steht im Mittelpunkt des Managements einer HIV-infizierten Schwangeren die Senkung der Viruslast, die Kontrolle der potentiellen Therapie-Nebenwirkungen bei Mutter und Kind sowie der Entdeckung und Therapie sexuell übertragbarer Begleitinfektionen wie Chlamydien, Trichomonaden, Gonokokken und Syphilis-Erregern.

Standardisiert erfolgt nach 37 kpl. SSW am wehenlosen Uterus unter Zidovudin-Prophylaxe die elektive Sectio. Beim Neugeborenen wird dabei jeglicher Blut- oder Fruchtwasserkontakt möglichst vermieden. Die Transmissionsrate wurde dadurch bis heute auf 1-2% gesenkt!!

Nachgeburtlich wird eine entsprechende Serodiagnostik beim Kind zum Einschluss/ Ausschluss einer HIV-Infektion durchgeführt. Die Serokonversion kann wie beim Erwachsenen erst nach einigen Monaten erfolgen!

Stillen ist bei HIV-Positivität absolut kontraindiziert! Unter bestimmten Umständen wird in Entwicklungsländern nach Abwägung der zu erwartenden Vor- und Nachteile zum Stillen geraten.

Spezielle Informationen und Details können in der hierzu bestehenden Leitlinie des Managements HIV-infizierter Schwangerer der deutschen AIDS-Gesellschaft (DAIG) daignet.de unter Beteiligung der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) abgerufen werden (AWMF-Register Nr. 055-002/ S2k-Leitlinie) awmf.org.