Gelbkörperhormon, oft auch als Schwangerschaftshormon bezeichnet (Progestin). Gehört zur Gruppe der Gestagene (gestare lat. tragen, schwanger sein); ein Steroidhormon aus 21 Kohlenstoffatomen, das bei Mann und Frau gebildet wird. Bei der Frau erfolgt dies in erster Linie in der zweiten Zyklushälfte durch den sog. Gelbkörper (Corpus luteum) des Eierstocks.

Bildet sich der Gelbkörper nach nicht erfolgter Befruchtung zurück, sinkt der Progesteronwert (gemeinsam mit dem Östrogenspiegel), wodurch es in letzter Konsequenz zu einer Hormonentzugsblutung (Menstruationsblutung) kommt. Kommt es zu einer Befruchtung, wandelt sich der Gelbkörper entsprechend um und bildet dauerhaft und ansteigend Progesteron (Corpus-luteum-Zyste, einseitig rechts oder links im Bereich des Eierstocks im Ultraschall oft sehr gut sichtbar).

Progesteron wird sinnvollerweise erst postovulatorisch gemessen, das Serum-Maximum ist 6-7 Tage nach dem Eisprung erreicht.

Die Diagnose einer sog. Gelbkörper-Insuffizienz ist ein Mythos, der allerdings durch keine Studie beeinflusst werden kann. Eine richtige Diagnose stellt der Begriff nach der Amerikanischen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin (American Society of Reproductive Medicine) nicht dar, er geistert allerdings durch alle „gynäkologischen“ Gazetten und Foren.

Fakt ist, dass bei bestimmten ausgewählten Konstellationen der Sterilitätsbehandlung eine begleitende Behandlung vor, aber auch nach Befruchtung Sinn macht. Nach der 12. SSW spielt die Zufuhr von Progesteron in diesem Zusammenhang keine Rolle mehr.

Progesteron wird hinsichtlich des Erfolgs einer Frühschwangerschaft ein mystisch hoher Stellenwert zugeschrieben, der bis heute durch keine einzige Publikation wissenschaftlich nachgewiesen ist!

Dabei wird vergessen, dass einerseits das beta-HCG (Schwangerschaftshormon) eine ungleich höhere Bedeutung hat, andererseits die Plazenta nach spätestens 9 kpl. SSW (8+5 SSW) die Hormonbildung (auch von Progesteron) übernommen hat. Jegliche Progesterongabe nach diesem Zeitpunkt ist natürlich möglich und schadet sicher nicht, aber einen positiven Effekt auf den Erhalt bzw. positiven Ausgang der Schwangerschaft bringt es nachweisbar nicht. Denn sonst würde man Progesteron ja grundsätzlich allen Schwangeren empfehlen und nicht nur Frauen, die eine wie auch immer geartete Kinderwunschbehandlung durchlaufen haben.

Die Einnahme/ Applikation ist folglich nach einer bestimmten Phase der Frühschwangerschaft reine Kosmetik und dient eher der mentalen und psychologischen Unterstützung der Schwangeren, die verständlicherweise auch medial auf das Progesteron fixiert ist und demnach ein Absetzen nie akzeptieren würde. Die Krankenkassen tragen dem Umstand dadurch Rechnung, indem sie die Gabe von Progesteron nicht finanziell stützen. Die Verschreibung von Progesteron erfolgt normalerweise über ein Privatrezept (als Hormon ist Progesteron rezeptpflichtig).

Gesichert ist die Wirksamkeit der Einnahme von Progesteron lediglich in der Frühschwangerschaft. Bis zu welcher Woche Progesteron eingenommen werden soll, ist ebenfalls nicht eindeutig geklärt. Nach gängiger Literatur wäre die Einnahme bis zum positiven Nachweis von Herzaktionen ausreichend, andere favorisieren die Einnahme bis zu 10 kpl. SSW, aber auch 12 oder 13 kpl. SSW werden genannt. Spätestens zum Ende des ersten Drittels der Schwangerschaft ist absolut kein Effekt mehr zu erzielen.

Die Applikation von Progesteron erfolgt in erster Linie intravaginal als Kapsel! Empfohlen werden 3 Anwendungen tgl. je 1-2 (3-4-5-6) Kps. Sie sehen, dass die Limits nach oben variabel sind. Mehr als 3x3 Kps. pro Tag erhöhen den Hormonspiegel bei der Schwangeren nicht signifikant! Die durchschnittliche Dosis pro Kapsel liegt bei 100 mg. In Deutschland sind aktuell mindestens fünf vergleichbare Präparate im Apothekenfachhandel erhältlich.