engl. auch Muellerian-Inhibiting-Substance (MIS) oder anti muellerian hormone (AMH).

Das AMH wird seit Jahren diagnostisch und prognostisch zur Beurteilung der ovariellen Reproduktionsfähigkeit bzw. -kapazität genutzt. Die Sicherheit der Bewertung der sog. ovariellen Reserve erscheint aber nicht immer verlässlich.

Die bisherigen Referenzbereiche sind noch nicht abschließend valide: Im Mittel beträgt der AMH-Spiegel 2,1 ng/ml, bis zum Alter von 35 a liegt der Spiegel eher > 2 ng/ml, danach niedriger. Beim sog. PCO-Syndrom sind deutlich höhere Spiegel > 5 ng/ml bis 15 ng/ml typisch und damit diagnostisch nutzbar. Es spielt bei Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch (erhöhte Testosteron-Spiegel, Alter der Patientin) eine wichtige Rolle bei der hormonellen Gesamtbeurteilung hinsichtlich Aussicht einer erfolgreichen Reproduktionsmaßnahme. Als Einzelparameter ist das AMH nicht tauglich!

Der Nachweis des AMH erfolgt in einem sog. Enzyme-linked Immunosorbent Assay (ELISA). AMH ist aktuell keine gängige Kassenleistung. Es kann sein, dass die Hormonbestimmung als IGeL (Individuelle Gesundheitsleistung) in Rechnung gestellt wird. Die Kosten für die Einzelbestimmung dürften bei etwa 40 bis 45 Euro liegen.

AMH ist ein Proteohormon bzw. dimeres Glykoprotein aus 560 Aminosäuren. Es gehört innerhalb der Transforming growth factors (TGF) zu den TGF-beta. Diese Faktoren haben eine wesentliche Funktion bei der Zelldifferenzierung und dem Zellwachstum. Das Hormon wird in den Sertoli-Zellen des embryonalen Hodens gebildet, bewirkt bis zur 8. SSW der Embryogenese die Geschlechtsdifferenzierung.
In der Fetalzeit sorgt es für die Rückbildung der weiblichen Genitalanlagen, weshalb es bei Mädchen nicht gebildet wird.

AMH hemmt die Follikelrekrutierung bzw. die Follikelselektion, die Rückbildung der Müller-Gänge. Das Hormon bedingt eine geringere Aromataseaktivität, verringert die Empfindlichkeit gegenüber FSH. Damit ist AMH ein wichtiger Regulator im Follikelverbrauch. Bei Fehlern im AMH-Rezeptor/ niedrigen AMH-Spiegeln und folglich geringem AMH-Effekt kommt es zu beschleunigtem Follikelverlust. Veränderungen im AMH-Rezeptor können zu prämaturer Ovarialinsuffizienz (POF) führen.

Anti-Müller-Hormon korreliert negativ mit dem Follikelverlust (je niedriger das AMH desto höher der Verlust an Follikeln) bzw. positiv mit der ovariellen Reserve (je niedriger das AMH desto niedriger die ovarielle Reserve und umgekehrt). Es korreliert negativ mit dem Alter der Frau (je höher das Alter desto niedriger der AMH-Spiegel).

Aktuell ist AMH der aktuell einzige Parameter zur Beurteilung der Anzahl primärer Follikel und damit der Fertilität. Es zeigt kaum Zyklusschwankungen, die optimale Zeit zur Bestimmung ist dennoch die Follikelphase (Zyklustag 2-5).

Der AMH-Spiegel wird nicht beeinträchtigt durch, Einnahme oraler Kontrazeptiva oder der Anwendung des NuvaRings® .

AMH dient dem Nachweis der Reserve von Eizellen und damit der weiblichen Fertilität. Es besteht nach IVF-Studien eine gute Korrelation zwischen AMH-Spiegel und der gewonnenen Eizellzahl, dem Eintreten einer Schwangerschaft und dem Ereignis Lebendgeburt.