Gruppe unterschiedlicher, in der Summe durchaus häufiger Hauterscheinungen bzw. Hautveränderungen, die im Zusammenhang mit einer Schwangerschaft auftreten können. Hautveränderungen betreffen nicht nur die Haut selbst, sondern auch die Schleimhäute und die sog. Hautanhangsgebilde wie Haare und Nägel. Die Hauterscheinungen sind Folge der komplexen Veränderungen hormoneller Faktoren, des Immunsystems, des Stoffwechsels und der Blut- und Lymphgefäße sowie des Bindegewebes.

Man unterscheidet im Prinzip vier Gruppen von Hauterkrankungen/ Dermatosen in der Schwangerschaft:

1. Reaktive, physiologische Hautveränderungen auf die Schwangerschaft
2. Spezifische Hauterkrankungen in der Schwangerschaft (Schwangerschaftsdermatosen)
3. Veränderungen vorbestehender Hauterkrankungen
4. Infektiöse Erkrankungen

Fast alle Hauterkrankungen in der Schwangerschaft zeigen gemeinsame Symptome wie Juckreiz (Pruritus) und weisen typische Hautveränderungen wie Rötung oder Pigmentierung und Papelbildung (leichte Erhabenheit) auf.

1. Typische physiologische Reaktion auf die Schwangerschaft sind allgemeiner Juckreiz (hormonell bedingt/ Hauttrockenheit), Ödembildung, Pigmentierung, Bildung von Schwangerschaftsstreifen (Striae distensae), Krampfadern (Varizen) und Hämorrhoiden, Akne, vermehrter Haarwuchs (in der Schwangerschaft), Haarausfall (nach der Schwangerschaft) sowie Nagelveränderungen.

Die meisten dieser Symptome sind wenig beeinflussbar, andererseits häufig reversibel, nach der Schwangerschaft kommt es häufig zu einer Besserung bzw. zum Verschwinden der Symptome/ Hauterscheinungen.

Gegen die trockene Haut und den Juckreiz kommen am besten Harnstoff haltige Lotionen zum Einsatz. Zahlreiche Pflegemittel werden von unterschiedlichsten Firmen angeboten. Spezielle Empfehlungen sollen bewusst n i c h t abgegeben werden. Aber vermeiden Sie unbedingt Dinge wie Melkfett oder Vaseline. So rein diese Produkte herstellungstechnisch sein mögen, für die Haut oder Schleimhäute (gerade im Genitalbereich) bieten sie keinerlei pflegerischen Nutzen. Also bitte Vorsicht!

2. Schwangerschaftsdermatosen sind ebenfalls durchaus häufig (je nach Krankheitsbild ist jede fünfte bis hundertste Schwangere betroffen). Seltene Dermatosen kommen bei 1-2/ 10.000 Schwangeren vor. Die vier wesentlichen Erkrankungen sind die atopische Schwangerschaftsdermatose (häufigst, jede 5. -20. Schwangere!), die polymorphe Schwangerschaftsdermatose (auch als PUPPP, pruritic urticarial papules and plaques of pregnancy), die intrahepatische Schwangerschaftscholestase (gelegentlich mit Gelbsucht/ Ikterus) und das seltene Pemphigoid in der Schwangerschaft (auch als Herpes gestationis bezeichnet). Diese seltene Blasen bildende Erscheinung hat mit einer Herpesinfektion allerdings nichts zu tun!!

Bei den genannten Dermatosen ist das Leitsymptom meist starker Juckreiz (Pruritus) sowie Rötung und Papelbildung, gelegentlich kommt es zur Ausbildung von Blasen. Oft erinnern die Hauterscheinungen an ein Ekzem. Nicht selten haben die betroffenen Schwangeren eine entsprechende Vorgeschichte mit atopischer Dermatitis (Ekzem, Neurodermitis), Allergien wie Heuschnupfen oder Asthma bronchiale.

Die einzelnen Untergruppen sind z. T. nur durch den erfahrenen Gynäkologen / Geburtshelfer oder den Hautarzt/ Dermatologen zu unterscheiden. Bei der Differenzierung kann das Muster des Befalls, das zeitliche Auftreten in der Schwangerschaft, eventuell auftretende Gelbsucht und die Bestimmung von Leberenzymen, Gallensäuren und anderer Stoffwechselparameter hilfreich sein. Gelegentlich ist eine histologische Diagnosesicherung durch Hautbiopsie erforderlich.

Die Therapie ist andererseits zunächst auch lediglich symptomatisch möglich. Zur Behandlung des Juckreizes stehen Korticoid-Cremes zur lokalen Anwendung zur Verfügung. Eine gute Option ist der Einsatz von Antihistaminika (Tabletten/ z. B. Cetirizin 1-2 x tgl.). Bei ausgeprägtem Juckreiz/ Pruritus ist auch eine systemische Gabe von Kortikoiden zu erwägen. Bei der Schwangerschaftscholestase sind Kortikoide und Antihistaminika nur bedingt hilfreich. In diesem Fall ist die einzige vernünftige Therapie der Einsatz von Ursodesoxycholsäure.

Fetale Probleme sind bei der Schwangerschaftscholestase und dem Pemphigoid beschrieben, weshalb die Differentialdiagnose in diesem Zusammenhang bedeutsam ist. Es gibt Hinweise auf eine vermehrte Rate an Frühgeburten bzw. Totgeburten. Gelegentlich ist eine Geburtseinleitung erforderlich. Infolge eines Pemphigoids können beim Neugeborenen Hautveränderungen auftreten, die sich innerhalb weniger Wochen allerdings spontan wieder zurückbilden. Auch bei der Schwangeren verschwinden die Hauterscheinungen ohne Therapie in aller Regel ohne Folgen.

3. Vorbestehende Hauterkrankungen wie z. B. eine Schuppenflechte/ Psoriasis werden durch eine Schwangerschaft (Immunsystem/ Hormone/ vermehrte Kortisolproduktion) ggf. auch verbessert. Ebenso sind Verschlimmerungen des Hautbildes möglich und dann spezifisch in enger Kooperation mit einem Dermatologen zu behandeln.

4. Infektiöse Hauterkrankungen treten während der Schwangerschaft in erster Linie im Genitalbereich in Erscheinung. Neben hormonellen Veränderungen spielen immunologische Faktoren eine wesentliche Rolle.

Sehr häufig sind Pilzinfektionen (Mykosen/ Soor), die zwar geburtsmedizinisch kaum bedeutsam sind, allerdings sehr hartnäckig und lästig sein können (Juckreiz/ Brennen/ Beschwerden beim Wasserlassen). Nach gesicherter Diagnose (typische Beschwerden und klinisches Bild, Nativpräparat im Lichtmikroskop/ Pilzkultur) besteht die Behandlung in der lokalen Anwendung von Clotrimazol ggf. als Kombination mit 3 Vaginalzäpfchen (abends jeweils 1 Supp. an drei aufeinanderfolgenden Tagen) und einer synchronen Anwendung mit Clotrimazol-Creme für 5-6 Tage. Ein Ansäuern des pH-Wertes in der Scheide ist nicht erforderlich, da Pilze saueres Milieu eher bevorzugen als meiden! Pflegerisch stehen verschiedenste fettende Cremes zur Verfügung.

Mykosen können leider für Neugeborene unangenehme Folgen haben: Pilzerkrankungen sind im Prinzip durch die Mutter übertragbar und führen zu Windeldermatitis und später zu chronischen Pilzinfektionen, die z. T. schwierig zu diagnostizieren und zu behandeln sind! Es wäre demnach zumindest bei den Frauen, die während der Schwangerschaft aufgrund einer vaginalen Pilzinfektion behandelt wurden, sinnvoll, vorgeburtlich eine prophylaktische Behandlung mit einer kombinierten Lokaltherapie durchzuführen (500-600 mg Clotrimazol als Zäpfchen, 5-6 Tage Creme äußerlich). Eventuell wäre dies sogar grundsätzlich bei allen Schwangeren als Prophylaxe zur Vermeidung von Pilzerkrankungen bei Säuglingen zu überlegen. Das Medikament ist in der Schwangerschaft sicher, es handelt sich um eine Lokaltherapie, Nebenwirkungen auf den Fetus/ das Neugeborene sind nicht zu erwarten.

Clotrimazol ist ohne Rezept in der Apotheke erhältlich!

Bakterielle Infektionen (Vaginosen/ vaginale Dysbiosen) sind in der Schwangerschaft ebenfalls häufig (ca. 10%) und durchaus bedeutsam, nachdem sie auch für vorzeitige Wehen, vorzeitigen Blasensprung sowie Frühgeburt verantwortlich sind. Nicht selten besteht neben der vaginalen Infektion ein Harnwegsinfekt! Gängige Bakterien wie E. coli, Enterokokken, Klebsiellen, Gardnerellen, Ureaplasmen, Bacteroides-Spezies, Staphylokokken und Streptokokken sind nach Abstrichergebnis (Kultur/ Antibiogramm) spezifisch antibiotisch zu behandeln. Nicht selten liegen Mischinfektionen vor (verschiedene Bakterien/ Pilze oder in Kombination).

Die Therapie kann mitunter sehr diffizil werden, weil entweder Resistenzen gegen Antibiotika bestehen oder ein Medikament aufgrund der Schwangerschaft nicht verabreicht werden kann.

Virale Genitalinfektionen durch Herpes (HSV) oder humane Papillomaviren (HPV, Condylome) bedürfen spezieller Therapie bzw. geburtsmedizinischem Management! Näheres ist in den jeweils entsprechenden Kapitel nachzulesen!