IVF gehört zu den seit nunmehr über 30 Jahren etablierten Maßnahmen der sog. künstlichen Befruchtung (besser: normale Befruchtung an künstlichem Ort). Wird zu den ART (artefizielle reproduktive Therapie) gerechnet.

In aller Regel wird durch eine IVF die weibliche Sterilität behandelt. Weibliche Sterilität bedeutet entweder hormonelle Dysfunktion (Gehirn, Eierstöcke, Nebennieren, Endometrium) oder anatomische Hindernisse im Bereich der Eileiter (Tuben/ tubare Sterilität) wie beispielsweise Tubenverschluss im Zuge einer Endometriose oder nach Eileiterschwangerschaften (EUG). Selten wird eine künstliche Befruchtung auch bei Paaren durchgeführt, die wegen seltener, schwerwiegender Erkrankungen eine Präimplantations-Diagnostik (PID) durchführen lassen wollen.

Vor Durchführung einer solchen Therapie sollten umfangreiche Untersuchungen bei der Frau erfolgt sein (z. B. gyn. Hormonbefunde, Schilddrüsenfunktion, gyn. Anatomie, Zyklusmonitoring, Ultraschallbefund des inneren Genitales, gyn. Infektionssituation, ggf. genetische Untersuchung). Der Partner sollte ebenfalls genetisch untersucht werden. Unabdingbar ist ein Spermiogramm hinsichtlich Spermienqualität und Infektionserkrankungen. Nicht selten führt eine genetisch bedingte Störung der Eireifung/ der Spermienentwicklung zu Sterilität.

Spezielle Diagnostik, Beratung und Durchführung der IVF erfolgt bei Spezialisten in Zentren für Reproduktionsmedizin (spezialisierte Gynäkologen). Diese Praxen werden sehr häufig als Kinderwunschzentren bezeichnet. Wegen der hormonellen Stimulation der Eierstöcke kann es zu Überstimulations-Situationen kommen (sog. ovarielles Hyperstimulations-Syndrom, OHSS). Ferner muss bedingt durch die Methode mit Mehrlingen (z. B. Zwillinge) gerechnet werden.

Wegen der sehr speziellen Kostenmodalitäten sollte im Vorfeld immer auch die Krankenkasse hinsichtlich der Kostenübernahmesituation beratend hinzugezogen werden! Die Kosten einer solchen Kinderwunsch-Therapie können z. T. erheblich sein. Nicht selten ergibt sich wegen der deutlich niedrigeren Kosten ein nicht unbedeutender Kinderwunsch-Tourismus in benachbarte osteuropäische Länder oder in die Türkei.

Wunder sind möglich! Trotz moderner Medizin und HighTech-Anwendung ist die Verwirklichung des Kinderwunsches allerdings nicht annähernd zu 100 % zu erfüllen. Der Erfolg ist von vielen Faktoren abhängig, er ist nicht höher als unter natürlichen Bedingungen anzusetzen (etwa 30%). Manchmal sind mehrere Versuche erforderlich. Leider kann eine Schwangerschaft auch nach IVF verloren gehen (Abort), auch eine Eileiterschwangerschaft (EUG) ist möglich!

Bei einer IVF ist eine psychosomatische Begleitung oder zumindest eine intensive Beratung vor Anwendung der Methode dringend zu empfehlen!