häufige Virusinfektion beim Menschen. Erreger ist das Rubella-Virus. Wenn auch die begriffliche Ähnlichkeit einen Bezug mit Ringel-Röteln vermuten lässt, handelt es sich beim Röteln-Virus um eine komplett andere Virusgruppe (Togavirus) mit ebenso differenter Krankheitsmanifestation. Die Problematik ist indes ähnlich: Beide Viren haben eine nicht unerhebliche Auswirkung auf die Gesundheit des Ungeborenen. Gegen beide Viren immun zu sein, wäre natürlich ideal.

Gegen Röteln besteht in aller Regel durch Impfungen (Masern-Mumps-Röteln-Impfung/ MMR) oder eine natürliche Infektion im Kindes- oder Jugendalter Immunität (knapp 90% aller Schwangeren). Selten besteht eine fragliche oder fehlende Röteln-Immunität. Eine Impfung ist in der Schwangerschaft möglichst zu vermeiden. Bei fehlender Immunität sollte die Aktivimpfung nach der Geburt/ Entbindung erfolgen.

Vor Eintritt einer Schwangerschaft sollte ein Mindestabstand von drei Monaten eingehalten werden. Erfolgt versehentlich eine Aktiv-Impfung mit dem abgeschwächten Röteln-Lebendimpfstoff ist ein Schwangerschaftsabbruch nicht zwingend erforderlich. Zwar können Impfviren grundsätzlich die Plazenta passieren und den Embryo/ Fetus infizieren; eine Fruchtschädigung ist nicht nachgewiesen (keine Teratogenität).

Deutschland ist ein sog. „impfmüdes" Land. In Ländern mit konsequenten Impfprogrammen (USA/ Skandinavien) treten praktisch keine Rötelninfektionen in der Schwangerschaft auf. Nachdem in Deutschland hingegen ca. 30.000 Schwangere keinen Rötelnschutz haben, ergeben sich pro Jahr etwa 5 Embryopathien (Gregg-Syndrom) in der Bundesrepublik. Die Infektionsraten liegen deutlich höher.

Die Infektion der Schwangeren findet über eine Tröpfcheninfektion ohne spezifische Krankheitszeichen bzw. auch symptomlos meist im Frühjahr statt. Kommt es zur Virusausbreitung über das Blut, können Viren über die Plazenta das Kind infizieren.

Bei sehr früher Infektion in der Schwangerschaft (6.-12. SSW) beträgt die Infektionsrate etwa 90 %. Sehr häufig kommt es zum Abort. Jenseits der 12. SSW bis zur 38 SSW nehmen die Infektionsraten deutlich ab. Selten kommt es zu einer Röteln-Infektion des Neugeborenen. Die Schädigung des Fetus im Sinne eines Rubella-Syndroms hat sein Punktum maximum zwischen 12 und 17 SSW. Das sog. Gregg-Syndrom umfasst Innenohrschäden, unterschiedlichste Herz- und Augenfehlbildungen. Die Letalität (intrauteriner Fruchttod/ IUFT) beträgt etwa 20%. Eine Therapie existiert nicht. Bei einer intrauterinen Infektion kann die Gabe von Röteln-Immunglobulinen (passive Immunisierung) den Krankheitsverlauf eventuell mildern. Die Wirkung ist nicht gesichert, die Therapie mit Immunglobulinen traditionell extrem teuer und aufwändig. Im Falle einer embryonalen/ fetalen Infektion sollte angesichts der z. T. erheblichen neurologischen Defizite des Kindes auch ein Schwangerschaftsabbruch (Abruptio) mit den Eltern besprochen werden.

Bei Verdacht auf fetale Röteln-Infektion/ Rubella-Syndrom erfolgt neben einer differenzierten Sonographie der fetalen Organe und des Herzens der Nachweis/ Ausschluss einer kindlichen Infektion durch Virus-Bestimmung (PCR) im Fruchtwasser (Amniozentese, 16. – 21. SSW)) oder aus Nabelschnurblut (Cordozentese, ab 21. SSW). Eine Chorionzottenbiopsie (CVS) könnte zu einer Kontamination mit mütterlichem Blut führen!