vgl. Lues; durch Bakterien (Treponemen/ Spirochäten) verursachte, sexuell übertragbare Erkrankung. Eigentlich in Mitteleuropa inzwischen seltene Genitalinfektion, die allerdings durch zunehmende Migration aus Ostasien, Afrika und Osteuropa wieder mehr Bedeutung auch in Deutschland erfahren hat. Wird nach der Hauterscheinung der Primärinfektion auch als harter Schanker (Ulkus durum) bezeichnet. Die Erkrankung wird ausschließlich durch Geschlechtsverkehr übertragen. Kondome sind hierbei die einzig wirksame Prophylaxe!

Pro Jahr werden in Deutschland knapp 3.000 Fälle einer Syphilis-Infektion gemeldet. Auf 20.000 Schwangere kommt 1 Infektion. Die fetale Infektionsrate ist relativ hoch (25%). Angeborene Lues-Fälle (Lues connata) werden bei 3-5 pro Jahr angesiedelt.

Nach den Mutterschaftsrichtlinien wird bereits in der Frühschwangerschaft auf eine Syphilis (sog. TPHA-Test) aus dem Blut der Schwangeren untersucht.

Die Therapie erfolgt mittels speziellen Penicillin-Zubereitungen intramuskulär über einen längeren Zeitraum und hoch dosiert. Das Penicillin ist gut plazentagängig und erreicht damit auch das Kind.

Intrauterine Zeichen einer fetalen Infektion sind Fruchtwasservermehrung (Polyhydramnion), Flüssigkeitsansammlungen in Bauchhöhle (Aszites), Brustkorb oder generalisiert (Hydrops fetalis), Herzvergrößerung, Lebervergrößerung und andere.

Bei einer angeborenen Syphilis kommt es bei den Kindern zu Leber- und Milzvergrößerung, Herzkreislauf-Problemen, Blutbildungsstörungen, Lymphknotenschwellungen, Knochenveränderungen, Zahndeformationen, Innenohrschwerhörigkeit und Hornhautveränderungen am Auge.

Die Syphilis hinterlässt keine Immunität. Sie verläuft in Stadien, unter bestimmten Umständen schwerwiegend bis tödlich. Besonders neurologische Veränderungen (Neuro-Lues) mit Taubheit, Wesensveränderungen, Halluzinationen, Wahnvorstellungen, Neuropathien, Degeneration von Gehirngewebe (Tabes dorsalis) oder Gefäßschädigungen (Aortenaneurysma) sind noch Jahre nach der Erstinfektion möglich (historisch z.B. Beethoven, Wallenstein).