zwei Fruchtanlagen in gleicher Schwangerschaft; nach der Hellin-Regel etwa 1:85 Schwangerschaften; wobei die Häufigkeit von Zwillingen durch heutige reproduktive Maßnahmen deutlich zugenommen hat.
Unterteilung in eineiige, erbgleiche (monozygote) und zweieiige, erbungleiche (dizygote) Zwillinge.

Monozygote Zwillinge sind gleichgeschlechtlich und stammen aus einer befruchteten Eizelle, die sich entsprechend noch einmal geteilt hat.
Findet die Teilung relativ früh statt (innerhalb der ersten drei Embryonaltage), ergeben sich dichoriote, diamniote Zwillinge, d.h. jeder Zwilling besitzt eine Plazenta und eine eigene Fruchthöhle. Manchmal sind die Plazenten auch verschmolzen (fusioniert). Diese Zwillinge sind sowohl eineiig (monozygot, 10%) als auch zweieiig (dizygot, 90%).

Findet die Teilung zwischen Tag 3 und 10 statt, ergeben sich sog. monochoriote, diamniote Zwillinge, d.h. die Zwillinge werden von einer gemeinsamen Plazenta versorgt, besitzen aber zwei getrennte Fruchthöhlen. Monochoriote Zwillinge stellen insbesondere wegen der Gefahr eines sog. Zwillings-Transfusionssyndroms (Feto-fetales Transfusionssyndrom, FFTS) eine höhere Risikoschwangerschaft dar.

Bei einer Teilung zu einem späteren Zeitpunkt in der Embryonalentwicklung (10. bis 11. Embryonaltag) ergeben sich sog. Monoamnioten, eineiige Zwillinge, die in einer Fruchthöhle ohne Trennmembran existieren. In dieser Hoch-Risikoschwangerschaft besteht neben der Gefahr eines Transfusions-Syndroms das Risiko der gegenseitigen Umwicklung der Nabelschnüre (engl. sog. Entanglement/ Verheddern) mit eventuellem Fruchttod der Zwillinge.
Diese Komplikation wird nach 32. SSW kaum noch angetroffen (weniger Beweglichkeit der Feten, die Nabelschnüre sind kräftiger!). Bei noch späterer Teilung (ab dem 13. Embryonaltag) ergeben sich die sehr seltenen sog. Siamesischen Zwillinge, d.h. eineiige Zwillinge, die an einer Körperstelle oder Region miteinander verwachsen sind (sog. Pagus, das Zusammengefügte).

Merke: Alle Monochorioten sind monozygot; alle Dizygoten sind dichoriot.
Das heißt, dass alle Zwillinge, die eine sog. monochoriote Plazenta haben (Monoamnioten, Siamesische Zwillinge und alle Monochorioten, Diamnioten), eineiige Zwillinge sind.
Dagegen besitzen alle zweieiigen Zwillinge eine dichoriote Plazenta. Aber: bei 10% aller dichorioten Plazenten bestehen eineiige Zwillinge!

Etwa 2/3 aller Zwillinge sind zweieiig, etwa 1/3 sind eineiig. Monoamnioten stellen einen Anteil von weniger als 1% an den Zwillingsschwangerschaften. Die Häufigkeit Siamesischer Zwillinge liegt bei ca. 1:50.000; die Rate intrauteriner Fruchttode ist sehr hoch, weswegen die Häufigkeit zum Zeitpunkt der Geburt bei lediglich 1:250.000 liegt.

Zwillinge sind grundsätzlich als Risikoschwangerschaft einzustufen.
Die dem System Zwillinge geschuldeten Risiken sind:
Höhere Häufigkeiten für genetische Erkrankungen und Fehlbildungen, Frühgeburtlichkeit, somatische Wachstumsretardierung, Wachstumsdiskrepanz, vorzeitige Wehentätigkeit, Zervixinsuffizienzintrauteriner Fruchttod eines oder beider Mehrlinge und einem feto-fetalen Transfusionssyndrom bei Zwillingen mit einer gemeinsamen Plazenta (Monochorioten).

Das durchschnittliche Tragzeitalter von Gemini liegt bei 36 SSW und damit rechnerisch im Bereich einer Frühgeburt. Es handelt sich immer um zwei potentielle Frühgeborene.

Wesentlich ist die engmaschige und intensive Betreuung einer Zwillingsschwangerschaft durch den Frauenarzt in enger Zusammenarbeit mit einem spezialisierten Pränatalmediziner, ggf. auch in enger Kooperation mit der Entbindungsklinik (möglichst Perinatalzentrum). Das Management einer Zwillingsschwangerschaft beinhaltet das frühzeitige sonographische Erkennen und Zuordnen der Mehrlingsschwangerschaft in Dichorioten (Lamda-Sign) bzw. Monochorioten (T-Sign), Ersttrimester-Screening, Zweittrimester-Screening, Messen der Zervixlänge, Doppler-Sonographie der mütterlichen (Aa. uterinae) und der fetalen Gefäße (a. umbilicalis, a. cerebri media, ductus venosus).
Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der möglichst gleichsinnigen Entwicklung des fetalen Wachstums (Konkordanz). Nicht selten tritt eine signifikante Wachstumsdiskrepanz auf (20-prozentiger Wachstums-/ Gewichtsunterschied), die eine Terminierung (Beenden) der Schwangerschaft erforderlich machen kann. Weitere Kontrollparameter sind gleichsinnig gefüllte Harnblasen und ausgeglichene Fruchtwasserverhältnisse.

Das geburtsmedizinische Management von Zwillingen wird durchaus kontrovers diskutiert. Man kann sagen, dass Zwillinge nicht grundsätzlich immer durch Kaiserschnitt entbunden werden müssen.
Dichoriote Zwillinge können durchaus vaginal geboren werden, sofern der führende Zwilling sich nicht in Beckendendlage befindet. Bei Mehrgebärenden kann in dieser Situation auch primär eine vaginale Beckenendlagengeburt intendiert werden, wenn nicht weitere Risiken vorliegen (z.B. Wachstumsdiskrepanz/ somatische Wachstumsretardierung). Die klinische Erfahrung hat gezeigt, dass nach etwa 38 kpl. SSW ein Einleitungsversuch mit Prostaglandinen Sinn macht, um ein Wachstums bedingtes Konkurrieren am Entbindungstermin (VET/ 40 kpl. SSW) und damit die höhere Wahrscheinlichkeit einer Schnittentbindung (Kaiserschnitt/ Sectio) zu vermeiden.
Natürlich spricht nichts grundlegend gegen einen primären Kaiserschnitt, wenn dieser seitens der Schwangeren/ des Paares gewünscht wird oder letztlich medizinisch erforderlich ist.

Bei Monochoriaten oder Monoamnioten, also Zwillingsschwangerschaften mit erheblich höheren Entbindungsrisiken, ist ein vaginales Vorgehen theoretisch möglich, in der Praxis aber kaum sinnvoll umsetzbar, weil die Wahrscheinlichkeit von Komplikationen unter Wehen sehr hoch zu beziffern ist und dadurch ein Kaiserschnitt, dann ggf. unter Notfallbedingungen (Not-Sectio), hoch wahrscheinlich ist.
Weder die Schwangere/ das Paar noch das geburtsmedizinische Team (Hebammen/ Ärzte/ Kinderklinik/ Anästhesie) werden ein solches Procedere routinemäßig vorschlagen bzw. durchführen. In dieser Situation bietet sich ebenso wie bei Zwillingsschwangerschaften mit zusätzlichen Risiken ein geplanter (primärer/ elektiver) Kaiserschnitt an.