während der Schwangerschaft kann es zu einer ganzen Reihe z.T. unangenehmer und erheblicher Beschwerdebilder kommen. Nicht alle Schwangeren sind davon betroffen, in der Summe trifft aber mindestens ein Symptom auf nahezu jede Schwangere zu. Viele Symptome treten nur vorübergehend auf, sind oft nicht behandlungsbedürftig bzw. teilweise nicht oder nur schwierig behandelbar.

Die häufigsten und am ehesten als komplett harmlos einzustufende Beschwerden sind ziehende Unterbauchbeschwerden mit Ausstrahlung in die Leistengegend oder das Kreuzbein. Das Wachstum und die Dehnung/ Spannung der Gebärmutter und ihrer Bänder (Mutterbänder) führen zu diesem oft unangenehmen Phänomen, das allerdings lediglich die Entwicklung von Schwangerschaft/ Embryo dokumentiert. Eine ursächliche Behandlung ist nicht möglich bzw. notwendig. Ggf. hilft Bewegung in warmem Wasser oder nur Wärme, Massage oder gezielte manuelle Therapie/ Physiotherapie. Oft reicht die Bestätigung der unauffälligen Entwicklung des Kindes im Ultraschall, die Beschwerden zu relativieren! Die Einnahme von Magnesium (z.B. 240 - 300 mg 2x tgl.) kann die Situation beruhigen, die ziehenden Schmerzen etwas lindern!

In der Frühschwangerschaft kann es zu Übelkeit und Erbrechen kommen (Emesis/ Hyperemesis gravidarum). Diese hormonell, immunologisch und psychosomatisch bedingte Situation betrifft 30 bis 40 % der Schwangeren meist innerhalb der ersten 13 Wochen (Ersttrimester). Eine ursächliche Therapie existiert nicht. Gelegentlich helfen Vitamin-B-Kombinationen und zahlreiche kleine, individuell ausgewählte Mahlzeiten. Medikamente sind vorsichtig einzusetzen (z.B. leicht sedierende Arzneimittel). Wesentlich ist die Zufuhr von Flüssigkeit, Elektrolyte wie Natrium (Kochsalz) und Kohlenhydrate (Zucker).

Nicht selten (gut 20% aller Schwangerschaften) treten vaginale Blutungen auf, die einen Hinweis auf eine gestörte Frühschwangerschaft geben können. In aller Regel sind diese Blutungen als eher harmlos einzustufen. Naturgemäß sollten allerdings eine vaginale Untersuchung (Spiegeleinstellung) zur Beurteilung des Muttermundes und eine Ultraschalluntersuchung erfolgen um einerseits Pathologien auszuschließen und andererseits die Vitalität des Embryos/ des Fetus zu dokumentieren.

Eine Vielzahl weiterer Beschwerden vor allem unterschiedlichste Schmerzzustände werden beschreiben, die im Einzelnen nicht besprochen werden können. In aller Regel sind leichte Beschwerden nicht zu dramatisieren. Stärkere Schmerzen müssen natürlich abgeklärt werden. In erster Linie gibt der Frauenarzt eine erste Einschätzung ab und überweist dann gezielt an Fachärzte weiter.

Sehr häufig kommt es zu meist nächtlichen Krämpfen der Wadenmuskulatur, des Bauches oder in den Handflächen (Karpaltunnelsyndrom). Am besten hilft in dieser Situation Magnesium 2-3 Mal pro Tag je 240 - 300 mg. Magnesium kann bei oraler Einnahme kaum überdosiert werden. Bei gesunden jungen Menschen wird überschüssiges Magnesium über die Nieren ausgeschieden. Gelegentlich kommt es zu Durchfällen. Als Nebeneffekt kann demnach eine ebenfalls nicht seltene Verstopfung (Obstipation) mit Magnesium gut beseitigt werden.

Nicht selten kommt es in der Schwangerschaft zu Nierenschmerzen, die meist einseitig rechts auftreten. Der Nierenstau, d.h. die Erweiterung des mütterlichen Nierenbeckens infolge des Gebärmutterwachstums ist zwar harmlos aber unter Umständen sehr lästig und einschränkend. Zu empfehlen ist: reichlich Trinkmenge, lokale Wärme über dem Schmerzgebiet, Seitenlagerung auf die gesunde Seite (also meist links), ggf. Einnahme von krampflösenden Medikamenten (Spasmolytika). Selten kann es in diesem Zusammenhang zu aufsteigenden Harnwegsinfekten kommen (Nierenbeckeninfektion). Deshalb sollte in der Urinuntersuchung (Stix, ggf. Urinkultur) eine Harnwegsinfektion ausgeschlossen bzw. bei Bakteriennachweis antibiotisch behandelt werden.

Häufig beklagen Schwangere Schmerzen im Bein ausgehend von der Gesäßmuskulatur. Die Ischias-Schmerzen bzw. Ischialgien sind in der Schwangerschaft durchaus häufig und wenig zu beeinflussen. Bewegung, Wärme, Wasser bzw. Bewegung in warmem Wasser kann hilfreich sein. Gelegentlich ist auch Physiotherapie erfolgreich. Meist bessern sich die Beschwerden spontan.

Manchmal beklagen Schwangere gelegentlich auch starken Juckreiz. Der meist durch die Schwangerschaft und trockene Haut bedingte Juckreiz (Pruritus gravidarum) kann durch eine harnstoffhaltige Lotion gut behandelt werden. Der Harnstoffgehalt soll bei 4% liegen. Daneben können Allergien lokales oder auch ausgedehntes Hautjucken verursachen. Die Therapie besteht neben der Applikation von harnstoffhaltigen Lotionen in der Einnahme von Antihistaminika (z.B. Cetirizin) oder auch der lokalen Anwendung kortisonhaltiger Cremes. Juckreiz kann natürlich auch Ausdruck einer systemischen ggf. auch schwangerschafts-assoziierter Erkrankung sein. Bei einer sog. Schwangerschaftscholestase kommt es zu einem z. T massiven Anstieg von Gallensalzen und Leberenzymen. Die Therapie besteht in der Einnahme von Cholestyramin bzw. Ursodesoxycholsäure zur Senkung der Gallensalze und damit zur Linderung des Juckreizes.

Eine ganze Reihe weiterer Ursachen wie Infektionen (Bakterien/ Viren/ Pilze/ Protozoen), Dermatosen, gelegentlich auch Insektenstiche oder –bisse, Nebenwirkung von Medikamenten sind denkbar und bedürfen unter Umständen einer dermatologischen Begutachtung. Lässt sich der Juckreiz weder mit Antihistaminika, Kortison bzw. sedierender Medikamente lindern, kann eine Geburtseinleitung nach Abschluss der Frühgeborenenphase (37+0 SSW) erforderlich sein (selten).