vgl. Abruptio; manchmal noch als Interruptio bezeichnet. Vorzeitiges aktives Beenden der Schwangerschaft aus sozio-ökonomischen (meist sozio-finanziellen, psycho-sozialen), kriminologischen oder medizinischen Gründen.

Näheres regeln die §§ 218 und 219 des Strafgesetzbuches (StGB), nach welchen ein Schwangerschaftsabbruch zwar als rechtswidrig betrachtet wird, jedoch unter bestimmten Voraussetzungen (Einhalten von Fristen/ Vorliegen bestimmter medizinischer Diagnosen) für alle Beteiligten (Arzt/ Patientin) straffrei durchgeführt werden kann.

Insbesondere bei massiver Beeinträchtigung des ungeborenen Kindes wird ein eventuell sehr später Schwangerschaftsabbruch ggf. bereits innerhalb der erwarteten Lebensfähigkeit durch die Klausel der „Zumutbarkeit" für die Schwangere geregelt. Sog. Spätabbrüche, d.h. ein Abbruch nach 14 kpl. SSW, bedürfen einer sehr strengen und kritischen Indikationsstellung und erfordern im Vorfeld eine entsprechende Diagnostik (differenzierter fetaler Organ-Ultraschall, Zytogenetik, Karyotypisierung, Molekulargenetik, Infektionsserologie) und Beratung bei dafür autorisierten Beratungsstellen (z. B. profamilia Deutsche Gesellschaft für Familienberatung www.profamilia.de , Sexualpädagogik+Sexualberatung e.V., DONUM VITAE in Bayern e. V. www.donum-vitae-bayern.de u. a.). Zudem muss im Vorfeld immer eine angemessene Bedenkzeit für die Schwangere eingeräumt werden.

Auch eine genetische Beratung gerade im Hinblick auf ein mögliches Wiederholungsrisiko ist sinnvoll. In manchen Fällen ist eine fachübergreifende (interdisziplinäre) Beratung notwendig (z.B. bei neurologischen Erkrankungen oder speziellen chirurgischen oder internistischen Fragestellungen).

Innerhalb der ersten 12 Wochen nach Konzeption/ 14 Wochen nach Menstruation greift die „Soziale Indikation", nach welcher ein Abbruch ohne medizinische Begründung allerdings nur nach entsprechender Beratung und Bedenkzeit (mind. 72 Stunden zwischen Beratung und Durchführung der Abruptio) erfolgen kann. In den ersten 49 Tagen nach Konzeption (zu einem extrem frühen Zeitpunkt) kann ein Abbruch auch mit einem speziellen Prostaglandin (Mifepriston) erfolgen. Dieses Vorgehen ist speziell autorisierten Praxen/ Kliniken vorbehalten. Eine Ausschabung (Curettage) kann in diesen Fällen unterbleiben (sog. medikamentöser Abort). Sofern eine Ausschabung erforderlich wäre, kann diese in bestimmten Fällen durch eine Saug-Curettage ersetzt werden.

Manche Kliniken haben für die besondere Fragestellung des Spätabbruches eine Ethikkommission eingerichtet, die nach individueller Würdigung der Umstände und Fakten über die Durchführung des Schwangerschaftsabbruchs entscheidet.
Für die Durchführung eines Schwangerschaftsabbruches stehen im Allgemeinen nur bestimmte Praxen/ Kliniken zur Verfügung.

Ein gesetzlicher Anspruch auf die Durchführung eines Schwangerschaftsabbruchs besteht nicht. Kein Arzt, auch nicht in einem Angestelltenverhältnis, kann zur aktiven Teilnahme an einem Schwangerschaftsabbruch gedrängt oder gezwungen werden. Zahlreiche Kliniken oder Krankenhausträger insbesondere Häuser mit kirchlicher Trägerschaft bieten aus ethisch-moralischer Überzeugung einen Schwangerschaftsabbruch grundsätzlich nicht an.