Die Gewinnung, Aufbereitung und Einlagerung von Stammzellen aus Nabelschnurblut wird heute von verschiedenen Firmen zur Gesundheitsvorsorge des Kindes angeboten. Aktuell werden bereits mehrere Krankheiten erfolgreich mit Stammzellen therapiert. Zudem wird den Stammzellen und der Erforschung ihres Einsatzes ein hoher Stellenwert beigemessen.

Allerdings besteht kein abschließender Konsens hinsichtlich der Wirksamkeit der therapeutischen Anwendungen dieser durchaus wertvollen Zellen. Stammzellen sind in der Lage bzw. besitzen das Potenzial, ein breites Spektrum an Zelldifferenzierungen zu unterschiedlichen Zelltypen auszuführen. Sie können theoretisch zur Differenzierung jeder beliebigen Körperzelle programmiert werden. Bisherige Einsatzfelder der Stammzell-Therapie sind Leukämien und andere Erkrankungen des Blutes und des Knochenmarks.

Für Familien, die entsprechend vorsorgen möchten, stehen heute von verschiedenen Anbietern Möglichkeiten zur Stammzell-Asservierung aus Nabelschnurblut zur Verfügung. Das Prinzip besteht darin, dass unmittelbar nach der Geburt des Kindes unter standardisierten (Kühlkette!) und sterilen Bedingungen möglichst viel Nabelschnurblut durch die Geburtshelfer gewonnen werden soll. Nach Eingang im Labor wird das Blut hinsichtlich Gewebeverträglichkeit (sog. HLA-Typisierung) und auf bestimmte Infektionen untersucht. Nach eingehender Identitätssicherung werden die Stammzellen meist in zwei getrennten Fraktionen in flüssigem Stickstoff (- 175° C) tief gefroren und bei Bedarf zur weiteren Verwendung wieder aufgetaut. Die erfolgreiche Einlagerung wird zertifiziert.

Möglichkeiten zur Anwendung am Kind, von dem das Nebelschnurblut stammt bzw. bei Gewebeverträglichkeit auch bei einem Geschwisterkind. Die Einlagerung ist erst nach 34 SSW sinnvoll (Menge!). Die Lagerung bis mind. 15 Jahre möglich. Die jeweiligen Kosten sind bei den Anbietern zu erfragen.

Nach aktuellem Stand der Stammzellforschung, die im Allgemeinen auf Zellen aus Nebelschnurblut zurückgreift und diese aus frischen bzw. tief gefrorenen Stammzellen gewinnt, können durch Einschleusung von Genen Stammzellen „programmiert" werden, um Zellen bestimmter Differenzierung zu produzieren (z.B. Herzmuskelzellen, Nervenzellen, Leber- oder Bauchspeicheldrüsenzellen, Hautzellen, Knochen-, Knorpelgewebe oder Blutzellen, Netzhautzellen, Zähne). Einsatzbereiche der Stammzellen-Therapie sind theoretisch vielfältig und betreffen vor allem die regenerative Medizin: Diabetes mellitus, Alzheimer-Erkrankung, Morbus Parkinson, Multiple Sklerose (MS), Herzklappenerkrankungen, Herzinfarkt, Immunerkrankungen, Schädigungen an Knochen, Knorpel, Zähnen, Netzhaut sowie Leukämien und möglicherweise Ersatz von Organen. Letztlich könnte auch Krebs heilbar werden, weil fehlerhaft programmierte Zellen, die sich unkontrollierbar vermehren und ausbreiten sowie Gewebe zerstören (Tumorinfiltration/ Metastasierung) durch richtig programmierte Zellen ersetzt werden könnten.

Eine erste prospektiv angelegte, klinische Studie der Universität Nanjing, China (2013) hat gezeigt, dass Stammzellen aus Nabelschnurblut den Zustand von Patienten mit progressiver Multipler Sklerose deutlich verbessern! Ähnliches ergab eine Studie hinsichtlich der Behandlung frühkindlicher Durchblutungsstörungen des Gehirns z. B. infolge von Herzfehlern. Diese Studie der amerikanischen Duke Universität ist allerdings noch nicht abgeschlossen.

Skeptiker bezweifeln, dass dies so umgesetzt werden kann. Aktuell sind vor allem die Mengen an gewonnenen Stammzellen und die begrenzte Haltbarkeit limitierend. Nach Meinung von Befürwortern könnten in wenigen Jahren bereits mehrere klinische Studien zur Auswertung vorliegen. Derzeit liegen diese noch nicht bzw. nicht in großem Umfang vor, bisherige Erfolge beziehen sich in erster Linie auf Einzelfalltherapien.