Fehlgeburt in der Fetalphase also ab 14 kpl. SSW bis zur Lebensfähigkeit (ca. 23/ 24 SSW). Die Definition des Begriffes ist wegen fließender Übergänge nicht ganz einheitlich.

Im Gegensatz zu den frühen Verlusten einer Schwangerschaft (Frühest-, Frühabort bis zur 14. SSW) tritt ein Spätabort eher selten ein. Weit über 90% der Fehlgeburten finden ganz früh in der Schwangerschaft statt; meist sind hierfür genetische, seltener auch infektiöse Gründe (fetale Infektionen wie Toxoplasmose, Windpocken, Röteln, Syphilis), Herzfehlbildungen und Gefäßmissbildungen verantwortlich.

Bei den Spätaborten spielen daneben meist mütterliche uro-genitale Infektionen und damit verbunden die frühe Verkürzung des Gebärmutterhalses (Zervixverkürzung) eine entscheidende Rolle. Oft ereignet sich dies infolge vorzeitiger Wehentätigkeit und/ oder frühem vorzeitigen Blasensprung oder einem Fruchtblasenprolaps. Weitere Gründe sind Mehrlingsschwangerschaften, Uterusanomalien oder größere Myome während der Schwangerschaft. Spätaborte treten auch nach intrauterinen Eingriffen (Chorionzottenbiopsie/ Fruchtwasseruntersuchung, Nabelschnurpunktion) auf. Meist sind sie Folgen eines durch die Untersuchung ausgelösten Blasensprungs oder Infektion.

Mütterliche Stressfaktoren (familiär, sozial, arbeitssituativ) sowie das väterliche Alter stellen einen durchaus nicht zu unterschätzenden Faktor für einen Spätabort dar.

Nicht selten finden sich bei den Feten nach einem Spätabort z.T. im Vorfeld nicht erkannte Fehlbildungen wie Herzfehler oder andere Anomalien, die zum intrauterinen Versterben des Kindes und nachfolgend zum Spätabort führen. Mitunter sind Spätaborte aufgrund fetaler Fehlbildungen/ genetischer Syndrome auch medizinisch begründet von der Schwangeren/ dem Elternpaar indiziert worden.

Von den Spätaborten abzugrenzen sind die sog. Totgeburten, d.h. im Mutterleib verstorbene Kinder ab der Lebensfähigkeit (ab etwa 23/0 – 24/0 SSW) bzw. einem Geburtsgewicht ab 500 Gramm. Man spricht auch von einem intrauterinen Fruchttod oder lat. infans mortuus. Diese Todesfälle sind statistisch leichter zu erfassen, nachdem eine Meldepflicht nach der Personenstandsverordnung (§31 PStV) besteht. Die Rate der Totgeburten liegt in Deutschland bei ca. 0,25% (etwa 150 – 160 Kinder pro Jahr).

Die mannigfaltigen Ursachen, die nicht eindeutige Definition und fehlende Meldepflicht sowie die hohe Schamschwelle machen statistische Aussagen nicht einfach. Man geht von etwas über 1.500 – 2.000 Spätaborten pro Jahr aus. Zum Vergleich: Frühaborte inkl. Schwangerschaftsabbrüche aus sozialer Indikation liegen geschätzt bei über Hunderttausend Fällen!!

Klinische Zeichen sind häufig regelmäßige ziehende Schmerzen im Unterbauch (Kontraktionen/ Wehen), vaginale Blutungen, Druckgefühl auf den Beckenboden oder Darm, sowie Fruchtwasserabgang (infolge Blasensprung); ein Hinweis kann in längerer Zeit nicht mehr gespürten Kindsbewegungen gesehen werden.

Ganz wichtig ist die psychosomatische Betreuung und Begleitung nach der Diagnose bis zur „Geburt" des verstorbenen Kindes sowie im weiteren Verlauf nach der klinischen Phase. Auch in diesen Fällen gilt das Mutterschutzgesetz!
Ärzte und Hebammen betreuen die Frauen auch nach einer späten Fehlgeburt ganz normal weiter wie sonst eine Wöchnerin auch.

Inzwischen gibt es zudem zahlreiche Angebote seitens der Ärzteschaft, der Hebammen aber auch caritativer Einrichtungen für eine längerfristige und intensive psychosomatische Begleitung und Trauerbewältigung. Zudem bestehen inzwischen zahlreiche Foren, in denen sich betroffene Frauen/ Paare austauschen und gegenseitig Hilfe stellen. Diese Entwicklung ist absolut zu begrüßen!