Die manuelle Plazentalösung beschreibt die Lösung der Plazenta mit der Hand bei ausbleibender spontaner Plazentageburt in der Plazentaphase nach Geburt des Kindes.
Die Plazentalösung sollte entweder in Sedierung oder unter Anwendung einer PDA erfolgen. Nach manueller Bergung der Plazenta/ der Eihäute erfolgt in aller Regel eine Curettage mit stumpfer Curette ggf. unter Ultraschallsicht. Nachfolgend sollte die Gebärmutter zur Vermeidung unkontrollierter Nachblutungen gut medikamentös tonisiert werden (Oxytocin-Infusion).

Vor Verlegung auf die Wochenstation muss die Uterus-Blutung unter Kontrolle sein, der Kreislauf der Wöchnerin stabil, der Hämoglobinspiegel sowie die Gerinnungsparameter sollten sich innerhalb normaler Grenzen befinden.

Ursachen sind häufig Plazentalösungsstörungen (Plazenta accreta, Placenta increta, Placenta percreta), zu rasches aktives Lösen der Plazenta durch Hebamme/ Geburtshelfer, Plazentaanomalien oder Kontraktionsschwäche der Gebärmutter.

Unter einer vorzeitigen Plazentalösung versteht man die teilweise bzw. komplette Lösung der Plazenta aus ihrer Haftstelle an der Gebärmutterinnenseite. Die Folge für Mutter und Kind sind dramatisch. Für das Kind entsteht ein akuter Sauerstoffmangel (fetale Asphyxie). Bei der Schwangeren entstehen akute, massive Schmerzen, Blutungen innerhalb bzw. aus der Gebärmutter, ggf. Schocksymptome und Gerinnungsstörungen. Die Situation muss durch die rasche Entbindung (sofern möglich innerhalb weniger Minuten) also durch Not-Sectio gerettet werden. Wichtig ist die schnelle Ultraschallüberprüfung auf Lebenszeichen des Fetus. Eine Sectio am sicher bereits verstorbenen Kind sollte vermieden werden! Bei verstorbenem Fetus sollte nach Kreislaufstabilisierung der Schwangeren die vaginale Geburt eingeleitet werden.

Ursachen für eine Plazentalösung sind zahlreich. Meist allerdings ereignet sich eine vorzeitige Ablösung der Plazenta durch Ausbildung eines Blutergusses im Zusammenhang mit Bluthochdruck (Gestose, Präeklampsie, Eklampsie), Gerinnungsproblemen oder einem Trauma. Weitere Gründe sind vorzeitiger Blasensprung, Uterusfehlbildungen, Myome, kurze Nabelschnur, Mangelernährung bzw. Nikotin-, Alkoholgenuss in der Schwangerschaft. Das Risiko einer vorzeitigen Plazentalösung nimmt mit der Anzahl der Geburten zu (Multiparität).

Das Erkennen einer Plazentalösung ist im Prinzip anhand typischer klinischer Angaben der Schwangeren gut möglich: starke plötzliche Schmerzen im Bauch/ Rücken (Hinterwandplazenta!), der Bauch tastet sich fast bretthart, vaginale Blutungen, Kreislaufprobleme und Schwäche, Unruhegefühl. Im Ultraschall lässt sich die Ablösungsstelle/ das Hämatom meist gut visualisieren. Der Fetus ist entweder leider bereits verstorben oder zeigt eine Herzfrequenzverlangsamung (fetale Bradykardie).

Bei lebendem Kind sofort Not-Sectio-Alarm auslösen. Es sollten zum Management auftretender Gerinnungsstörungen unbedingt Blutkonserven, Plasma bereitgestellt
werden.