gestationsbedingte Trophoblasterkrankungen (GTE) sind eine Gruppe seltener schwangerschsafts-assoziierter Tumoren, die als Tumorerkrankungen eine besondere biologische Einheit bilden. Zu ihnen zählen die einfache, komplette, partielle und invasive Blasenmole, der plazentanahe Pseudotumor und das Chorionkarzinom.

Immunologisch gesehen handelt es sich um genetisch entartete und potentiell invasive, metastasierende Transplantat-Tumoren (Schwangerschaftsgewebe ist eine Art Transplantat auf Zeit). Je weniger die Fähigkeit zur menschlichen Differenzierung vorliegt desto aggressiver und maligner stellt sich die invasive Potenz des Schwangerschaftsgewebes dar. Ein Chorionkarzinom gilt deshalb als hoch maligne. Die Prognose der GTE kann allerdings auch in der Invasion bzw. Metastasierung als günstig bezeichnet werden.

Biologisch ist den Trophoblasterkrankungen die komplette Eliminierung maternalen genetischen Materials gemeinsam, so dass Autosomen und Gonosomen absolut väterlichen (paternalen) Ursprungs sind. Bei sog. partiellen Blasenmolen handelt es sich genetisch gesehen um eine Triploidie.

Die Verteilung der GTE weist global große Unterschiede auf. In Europa oder Nordamerika kommen GTE nur etwa halb so häufig vor wie in Mittel- oder Südamerika. In Japan oder der Mongolei ist die Inzidenz 3 mal so häufig wie in Europa. Partialmolen sind deutlich häufiger als komplette Molen. Die Häufigkeit liegt für Deutschland im Durchschnitt bei etwa 5-6/ 1000 Geburten. Chorionkarzinome sind deutlich seltener (1-2/ 1200 Geburten). Meist sind Frauen unter 20 oder über 40 Jahren betroffen. Gesichert ist die Assoziation zu vorangehenden Molenschwangerschaften. Eventuell spielt Vitamin-A-Mangel eine Rolle.

Klinische Manifestation eines Trophoblasttumors sind: vaginale Blutungen (z. T. ausgeprägt), unverhältnismäßige Größenzunahme der Gebärmutter, relativ weiche Konsistenz der Gebärmutter, Übelkeit, Erbrechen, Blutdrucksteigerung (Hypertonie, Präeklampsie), Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose).

Die meisten Situationen zeigen allerdings keinerlei klinische Auffälligkeiten.

Die Diagnose bzw. der Verdacht werden durch die Ultraschall- und Labordiagnostik gestellt. Dabei imponieren relativ hohe Werte des Schwangerschaftshormons beta-HCG (z. T. enorm hohe Werte über 200.000 IU/ L). Sonographisch fehlt gelegentlich der Nachweis von Schwangerschaftsgewebe im Uterus (V.a. ektope Schwangerschaft bzw. Extrauterinschwangerschaft). Oft zeigen sich blasige Strukturen in der Gebärmutter als Zeichen sog. moliger Degeneration der Chorionzotten (sog. Schneegestöber) oder triploid veränderte Feten (massive Wachstumsverzögerung, multiple Fehlbildungen wie Hydrozephalus, Herzfehler, Extremitätenfehlbildungen usw.).

Therapeutisch erfolgt routinemäßig die instrumentelle Entfernung des Schwangerschaftsgewebes nach Zervixsoftening. Aufgrund erhöhter Blutungsgefahr bietet sich eine Saugcurettage an. Intraoperativ sollte die Gebärmutter medikamentös tonisiert werden (Uterotonika wie z.B. Oxytocin). Präoperativ sollten insbesondere bei kompletten Blasenmolen unbedingt Blutkonserven bereitgestellt werden!

Das gesamte Abortgewebe muss histo-pathologisch untersucht werden. Invasivität und Malignität sind unbedingt zu sichern bzw. auszuschließen. Im Falle eines Chorionkarzinoms erfolgt nach den Regeln der Kunst ein Tumorstaging (Stadieneinteilung unter bildgebender Suche nach Metastasen in Leber, Gehirn, Lunge und kleinem Becken, seltener in Vagina, Milz, Darm und Nieren). Anschließend erfolgt eine stadiengerechte Polychemotherapie.

Nach jeder Trophoblasterkrankung ist der Verlauf des beta-HCG-Wertes bis unter die Nachweisgrenze unbedingt erforderlich. Kommt es zu einer Trophoblastpersistenz (verbleibendes aktives Schwangerschaftsgewebe unbekannter Lokalisation) sollte eine Monochemotherapie mit Methotrexat (Folsäureantagonist) erfolgen. Eine vaginalsonographische Kontrolle der Gebärmutterhöhle ist obligat.

Eine erneute Schwangerschaft wäre erst nach einem Jahr sinnvoll!
Bei Rhesus-Negativität der Schwangeren sollte immer eine Rhesus-Prophylaxe erfolgen!