Tragzeit über 40 komplette SSW bzw. 280 Tage gerechnet nach letzter Periode (post menstruationem, p.m.) hinaus; wird auch als rechnerische Übertragung bezeichnet; von einer solchen Tragzeitüberschreitung sind etwa 10% der Schwangeren betroffen (Tragzeit zwischen 281 und 293 Tagen, bzw. zwischen 40 kpl. und 42 SSW). Als Übertragung wird eine Tragzeit von mehr als 42 kpl. SSW bzw. 294 Tagen und mehr bezeichnet; letzteres betrifft etwa 1% der Schwangeren.

Für die Tragzeitüberschreitung bzw. Übertragung wird ein Wiederholungsrisiko von etwa 40% angegeben. Alle Zahlen sind seit Jahren relativ konstant geblieben.

Die Problematik von Terminüberschreitung und Übertragung besteht in der steil ansteigenden Rate an Erkrankungen (Morbidität) und Todesfällen (Mortalität) der Kinder im Zusammenhang mit der Geburt/ Entbindung. Risikofaktoren sind der kindliche Sauerstoffmangel (Asphyxie), intrauteriner Fruchttod, erhöhtes Geburtsgewicht (Makrosomie), erhöhte Gefahr der Mekoniumaspiration (Stuhl des Kindes gelangt in die Atemwege) und eine erhöhte Rate an Kaiserschnitten.

Die Überschreitung des Entbindungstermins von 40 kompletten Wochen birgt in erster Linie die Gefahr der Plazentainsuffizienz mit Abnahme der Fruchtwassermenge in sich. Für das ungeborene Kind ist damit das Risiko zu versterben (intrauteriner Fruchttod) oder unter der Geburt einen Sauerstoffmangel zu erleiden deutlich erhöht. Wächst das Kind stetig weiter (erhöhtes Geburtsgewicht/ Makrosomie), ist die Rate an Problemen wie höhergradigen Dammrissen, Komplikationen bei der Geburt der Schulter (erschwerte Schulterentwicklung, Schulterdystokie) und die Rate von Schnittentbindungen entsprechend erhöht.

Totgeburten sind in erheblichem Maße von der Tragzeit und dem Alter der Mutter abhängig! 40 Wochen und 40 Jahre bedeuten im Vergleich zu einer 20 Jährigen Frau ein um den Faktor 5 erhöhtes Mortalitätsrisiko für das Kind! Ab 39 kpl. SSW nimmt das Mortalitätsrisiko des Kindes konstant zu!

Die Einteilung der nachgeburtlichen (postpartalen) Komplikationen erfolgt anhand des kindlichen Zustandes nach Clifford (sog. Cliffordstadien I – III).

Zur engmaschigen Überwachung des Kindes/ der Kinder wird nach Erreichen des Entbindungstermins alle zwei Tage ein Ruhe-CTG („non-stress-Test") empfohlen; zudem sollte die sonographische Kontrolle der Fruchtwassermenge erfolgen. Stellenwert bzw. Aussagekraft der Doppleruntersuchung der kindlichen Gefäße (a. umbilicalis/ a. cerebri media) ist nicht abschließend beurteilt.

Kontrovers wird auch das Management der Terminüberschreitung/ Übertragung diskutiert: die Alternativen Abwarten oder Einleiten sind nicht immer einfach zu entscheiden und nicht standardisiert in eine Leitlinie gefasst. Sofern ein kindliches Gefährdungspotential bekannt ist, sollte das Vorgehen stets an dieser Thematik orientiert sein und entsprechend klug entschieden werden.