sicherlich das komplexeste und (emotional) schwierigste Kapitel im Zusammenhang mit der Schwangerschaft. Kaum eine Schwangerschaft kommt in letzter Konsequenz komplett ohne die Einnahme eines oder mehrerer Medikamente aus. Nach den Erfahrungen des Contergan-Skandals in den 1960-er Jahren ist hierzulande die Anwendung von Medikamenten während Schwangerschaft/ Stillzeit heftig umstritten und führt nicht selten zu sehr großen Diskussionen bzw. Verwirrungen.

Das Problem der Anwendung von Medikamenten in Schwangerschaft und Stillzeit ist einerseits die unzureichende Datenlage andererseits die Vorsicht der Pharmaindustrie hinsichtlich möglicher Regressansprüche, weshalb für Schwangerschaft und Stillzeit den Packungsbeilagen eine entsprechend deutliche Zurückhaltung zu entnehmen ist.

Eine gute Nachricht vorweg: Die meisten Medikamente sind auch in Schwangerschaft und Stillzeit ohne große Bedenken oder Folgen für das Kind anzuwenden. Natürlich bedeutet das nicht, dass eine Schwangere z. B. bei einem grippalen Infekt kritiklos jedes beliebige Arzneimittel über Wochen hinweg einnehmen soll. Grundsätzlich gilt, jede medikamentöse Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit streng zu prüfen (Indikationsstellung). Besprechen Sie die Einnahme mit dem verordnenden Facharzt oder in letzter Instanz mit dem betreuenden Frauenarzt. Bei Unklarheiten hilft in diesem Fall tatsächlich der Blick ins Internet weiter www.embryotox.de .

Wird eine Medikation ärztlich empfohlen, liegt es natürlich immer auch an der Schwangeren zu entscheiden, ob sie der Empfehlung nachkommen möchte. Eventuell ergeben sich Alternativen. Sicher ist auch die Dauer der Einnahme zu berücksichtigen (die Dosis macht das Gift!). Es besteht zudem ein wesentlicher Unterschied zu welchem Zeitpunkt der Schwangerschaft ein Medikament zur Anwendung kommt, ob in der sensiblen Embryonalphase bis 13 SSW oder in der Fetalphase, in der die Organanlagen bereits vollzogen sind. Die Indikation wird von allen Seiten (Ärzte/ Hebammen/ Apotheker/ die Schwangere selbst) naturgemäß streng gestellt!

Nicht wenige Schwangere müssen aufgrund einer vorbestehenden Erkrankung Medikamente auch in Schwangerschaft und Stillzeit einnehmen. Dies sollte unbedingt im ersten Gespräch bei Feststellung der Schwangerschaft angesprochen und ggf. mit fachärztlicher Hilfe geklärt werden. Eventuell können Mehrfachdosierungen durch eine Monotherapie ersetzt werden. Bei einigen Erkrankungen (die z. B. Kortison benötigen) ergeben sich durch die ohnehin steigenden Kortisolspiegel während der Schwangerschaft Dosisreduktionen, z. T. können sie sogar ganz abgesetzt werden.

Auf der anderen Seite ergeben sich natürlich Konstellationen, die ein sofortiges Absetzen eines Medikamentes erfordern. Eine ganze Reihe von Wirkstoffen ist während Schwangerschaft absolut kontraindiziert wie z. B. bestimmte Antibiotika (Tetrazykline, Gyrasehemmer), Vitamin-A-Säure (Aknetherapie), bestimmte Blutdruckmittel (ACE-Hemmer), Hormonanwendungen oder Blutverdünner (Cumarine) und viele andere mehr. Die Liste ist lang. Allerdings bedeutend kürzer als die Positivliste!

Wurden versehentlich Medikamente mit schädigender Potenz für den Embryo eingenommen, sollte nach intensiver Pharmarecherche und Aufklärung sowie intensiver Ultraschalldiagnostik auch die Möglichkeit eines Schwangerschaftsabbruchs diskutiert werden (Abruptio aus medizinischer Indikation).