Nabelschnurblut wird aus der Nabelschnur und der Plazenta gewonnen. Dessen Gewinnung spielt eine Rolle bei der Bestimmung des pH-Wertes (Säuregehalt) als wesentlicher Parameter im geburtsmedizinischen Qualitätsmanagement. Sie erfolgt kurze Zeit nach der Abnabelung. Ein normaler („guter") pH-Wert liegt etwa zwischen 7,20 und 7,40; nach Expertenmeinung entspricht ein pH-Wert unter 7,10 einer ausgeprägten Azidose (Übersäuerung) und steht im Zusammenhang mit möglicherweise schwerwiegenden Komplikationen hinsichtlich der neurologischen Entwicklung des Kindes.

Der pH kann aber nicht als Einzelwert betrachtet werden, sondern bedarf immer auch der Beurteilung weiterer Parameter wie dem Basenexcess (BE), dem pCO2 (Kohlendioxidgehalt) und dem pO2 (Sauerstoffgehalt) sowie dem Lactat-Wert.

Man unterscheidet eine respiratorische von einer metabolischen Azidose. Bei der respiratorischen Form kann das Neugeborene anhand kurzfristiger Maßnahmen die Übersättigung mit Kohlendioxid abatmen und damit kompensieren. Bei einer metabolischen Azidose gelingt dieser Ausgleich ohne intensivmedizinische Intervention nicht und wiegt insofern schwerwiegender und folgenreicher.

Nicht jeder niedrige pH-Wert ist die Konsequenz von Fehlern oder Komplikationen im geburtsmedizinischen Management! Auch mütterliche Stoffwechselparameter können den pH-Wert des Neugeborenen entsprechend beeinflussen (sog. Leihazidose).

Ein weiterer Grund der Entnahme von Nabelschnurblut ist die Bestimmung der kindlichen Blutgruppe bei Müttern mit Rhesus-Negativität. Im Fall eines Rhesus-positiven Kindes erfolgt zeitnah die Rhesusimmunisierung (unbedingt innerhalb von 24 bis max. 72 Stunden). Diese kann bei Rhesus-Negativität des Kindes und damit fehlender Rhesus-Konstellation unterbleiben.

Aus dem Nabelschnurblut kann zudem eine Vielzahl von Untersuchungen bei Verdacht auf Infektionen (z.B. Röteln, Windpocken, Hepatitis-B, Cytomegalie, Herpes), Stoffwechselerkrankungen oder bestimmte Syndrome oder genetische Anomalien durchgeführt werden.

Seit einigen Jahren besteht die Möglichkeit der Entnahme des Nabelschnurblutes zwecks Gewinnung von Stammzellen als Gesundheitsvorsorge für das Kind (Eigenvorsorge), andere Familienmitglieder (Familienvorsorge) oder fremde Personen (Spende). Auch eine Kombination aus Familienvorsorge und Spende ist möglich. Die Gewinnung dieser Zellen ist einfach und risikofrei, sie sind „steril", also frei von Infektionen oder Erregern, nach Entnahme gut verfügbar, gut verträglich und besitzen ein hohes Entwicklungspotential. Sie sind deshalb für die Therapie einer Vielzahl von Erkrankungen von enormer Bedeutung!

Der Vorteil der Nabelschnurblutentnahme besteht darin, dass das Kind nicht gestochen werden muss!