Folsäure und Folate zählen zu den wasserlöslichen B-Vitaminen; sie spielen im Zusammenhang mit Zellteilung und Wachstumsprozessen eine wesentliche Rolle. Beim Erwachsenen führt ein Folsäuremangel zu Blutarmut (Anämie), Verdauungsproblemen und Schleimhautveränderungen.
Beim Ungeborenen kann ein fehlender Schluss des Neuralrohres und damit eine Spina bifida (aperta) mit nachfolgendem Hydrozephalus (Stau von Gehirnwasser) auftreten. Problematisch ist das frühe Auftreten dieser möglichen Entwicklungsstörung bereits in der 6. SSW, also zu einem Zeitpunkt, zu dem die Frau häufig noch gar nicht weiß, dass sie schwanger ist; die Folsäurezufuhr kommt dann oft zu spät.

Im Zuge der sog. Primären Prävention (Vorsorge/ Prophylaxe) zur Vermeidung möglicher durch Folsäuremangel bedingter Erkrankungen wäre die Einnahme bereits 4 Wochen vor Eintreten der Schwangerschaft (präkonzeptionell) sinnvoll.

In Ländern wie Indien, Pakistan und anderen asiatischen Staaten ist die Häufigkeit einer Spina bifida aufgrund des hohen Verzehrs an Hülsenfrüchten extrem selten. Folsäure kommt reichlich vor in grünem Gemüse (Blattspinat; daher der Name Folate von folium = das Blatt), Linsen und anderen Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten, Zitrusfrüchten und tierischen Produkten wie Eigelb und Leber.

Durch Nahrungsgewohnheiten mit relativ einseitiger Ernährung in Deutschland ist Studien zufolge die Folsäureaufnahme bei lediglich einem Fünftel der Bevölkerung ausreichend. Nach Empfehlungen sollte in der Schwangerschaft eine tägliche zusätzliche Zufuhr zur normalen Nahrungsaufnahme von 400µg Folsäure erfolgen (Folsäure-Substitution); Beginn mindestens 4 Wochen vor der Empfängnis bis zum Ende des ersten Schwangerschaftsdrittels (13./ 14. SSW).
Die Zufuhr kann auch über entsprechend mit Folsäure angereichertem jodiertem und fluoridiertem Speisesalz erfolgen. Möglicherweise hat Folsäure auch eine prophylaktische Wirkung hinsichtlich einer Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte sowie anderer Fehlbildungen wie Herzfehler und dem angeborenen Zwerchfelldefekt (kongenitaler Diaphragmadefekt).

Frauen, bei denen bereits ein Neuralrohrdefekt in einer Schwangerschaft aufgetreten ist, erhalten vor Eintreten einer erneuten Schwangerschaft täglich 4 mg Folsäure (Folsäure-Supplementierung).