vgl. Priming. Auslösen von Wehentätigkeit mit dem Ziel der zeitnahen Geburt des Kindes/ der Kinder. Die Zahl der Geburtseinleitungen hat deutlich zugenommen, nach aktuellen Zahlen ist eine Verdopplung innerhalb der letzten 20 Jahre zu verzeichnen.
Geburtshilfliche Gründe zur Geburtseinleitung sind beispielsweise fetale oder mütterliche Risiken, vorzeitiger Blasensprung, fetale Wachstumsrestriktion, unphysiologische Abnahme der Fruchtwassermenge, CTG-Auffälligkeiten, Mehrlingsschwangerschaft oder die Terminüberschreitung von mehr als einer Woche über dem errechneten Entbindungstermin (> 41/0 SSW).

Medizinisch indizierte Geburtseinleitungen haben den Sinn, die aus den auffälligen Befunden resultierende bzw. zu erwartende mütterliche und kindliche Morbidität bzw. Mortalität zu reduzieren. Im Fokus der Geburtseinleitungen über dem errechneten Termin steht vor allem die Vermeidung des intrauterinen Fruchttodes/ Totgeburt. Daneben gibt es eine Reihe nicht-medizinischer Gründe, die den Wunsch nach einer Geburtseinleitung nähren, wie z. B. die Tastsache, dass die Geburt des Kindes innerhalb einer bestimmten Frist erreicht oder auch vermieden werden soll. Die Anzahl elektiver Geburtseinleitungen, die häufig aus individuellen, sehr persönlichen Vorstellungen oder Ängsten gewünscht werden (sog Wunsch- oder Lust-Priming), hat inflationär zugenommen. Ihr Anteil beträgt inzwischen 50% der Geburtseinleitungen und 10% aller Geburten.
Aus geburtsmedizinischen Aspekten heraus sind sie indes nicht unumstritten. Das liegt daran, dass es sich bei einer Geburtseinleitung um eine medizinische Maßnahme handelt, die neben Chancen auch Risiken beinhaltet. Emotional sind „unnötige" Geburtseinleitungen zwar verständlich, rational gesehen tunlichst zu vermeiden. Sie bedürfen zumindest einer intensiven Aufklärung und Beratung der Schwangeren über deren mögliche Konsequenzen. In diesem Zusammenhang muss darauf hingewiesen werden, dass die Zahl der Kaiserschnitte im Zusammenhang mit Geburtseinleitungen ebenso stetig zugenommen hat. Vor 39/0 SSW sollte eine Geburtseinleitung bei Einlingen ohne medizinische Indikation ohnehin nicht vorgenommen werden!
Die meisten Einleitungen führen sicherlich zum gewünschten Erfolg, nämlich zur Spontangeburt eines gesunden Kindes. Möglicherweise wäre dies bei einer risikofreien bzw. unauffälligen Schwangerschaft auch ohne Einleitung lediglich zu einem späteren Zeitpunkt eingetreten. Ein kleinerer Teil der Einleitungen ist ohne Erfolg, d.h. es stellt sich keine Wehentätigkeit und damit kein Geburtserfolg ein (sog. frustranes Einleiten/ Priming). Für die Schwangere kann das u. U. emotional ein persönliches Versagen bedeuten, weshalb immer auch im Vorfeld über diese Möglichkeit aufgeklärt werden sollte. Eine Geburtseinleitung ist zunächst immer ein Einleitungs-Versuch, der naturgemäß eben nicht immer zum Erfolg führt. Ein noch geringerer Anteil der Geburtseinleitungen (weniger als 1%) macht einen Not-Kaiserschnitt erforderlich, weil sich nach dem Priming eine übermäßige Wehentätigkeit (hyperfrequente Wehentätigkeit/ Wehensturm/ Dauerkontraktion) einstellt, die trotz Wehenhemmung (Tokolyse) nicht beherrschbar ist und zu fetaler Herzfrequenzabnahme (Bradykardie) führt. Auch dieses Ergebnis ist verständlicherweise nicht im Sinne der Patientin, des Kindes, der Angehörigen und ebenso wenig des gesamten beteiligten geburtsmedizinischen Personals. Auch die Kosten-Nutzen-Analyse fällt denkbar schlecht aus!
Deshalb gilt bei der Geburtseinleitung stets der Grundsatz des Abwägens der Chancen und Risiken, die Indikation ist entsprechend streng zu stellen, bei nicht medizinischer Indikation sollte sie kritisch hinterfragt und ggf. nicht durchgeführt werden.

Methoden der Geburtseinleitung sind: intravenöse Gabe von Oxytocin (Wehenhormon), Anwendung von Prostaglandinen (oral, intravaginal als Kapsel, intravaginal als Gel oder Tablette, Einlage eines Ballonkatheters (Foley-Katheter) über den Gebärmutterhals (transzervikal).
Die Applikation von Prostaglandinen sowie die Katheter-Methode sind bei unreifem Muttermund indiziert. Oxytocin intravenös macht erst bei einer bestimmten Zervixreife bzw. bereits eröffnetem MM (etwa 3-4 cm) Sinn.
Immer häufiger stellt sich infolge des Anstiegs der Kaiserschnittrate die Frage einer Geburtseinleitung nach Kaiserschnitt (Vaginale Entbindung nach Sectio, engl. VBAC, vaginal birth after Cesarean). Das Risiko der medikamentösen Geburtseinleitung nach Sectio besteht vor allen Dingen in der möglichen Uterusruptur (ca. 1,2 bis 2,5%), die einen geburtsmedizinischen Notfall darstellt.
Die Chancen einer erfolgreichen vaginalen Geburt nach Kaiserschnitt stehen grundsätzlich nicht schlecht (gesamt gut 70%), wobei nach spontanem Eintritt der Wehentätigkeit ein Erfolg von über 85%, nach medikamentöser Weheneinleitung nur 66% Erfolgsrate beschrieben werden (statistisch signifikanter Unterschied). Eine erfolgreiche vaginale Entbindung nach Kaiserschnitt senkt die mütterliche Morbiditätsrate, die Rate an Risiken und Komplikationen nachfolgender Schwangerschaften und die Gesamt-Kaiserschnittrate. Auch in diesem Zusammenhang gilt die intensive Aufklärung über Chancen und Risiken sowie die Bereitstellung eines hohen medizinischen Standards der betreffenden Entbindungsklinik hinsichtlich Überwachung und Management möglicher Komplikationen.
Der Einleitungserfolg ist von einer Vielzahl von Faktoren wie Zervixreife (Bishop-Score), Höhenstand des kindlichen Köpfchens bzw. Bezug zum kleinen Becken, Zervixlänge (> oder < 2cm), Parität (wie oft wurde bereits vaginal geboren) und sog. positivem Fibronektin-Test abhängig. Faktoren wie Erstgebärende (Nullipara), unreifer Muttermundsbefund (Bishop-Score < 5), Diabetes mellitus und Adipositas zeigten einen negativen Einfluss auf den Erfolg der Geburtseinleitung.

Klare Indikationen zur Geburtseinleitung sind vorzeitiger Blasensprung nach 34+0 SSW, arterielle Hypertonie spätestens 38+0 SSW, intrauterine Wachstumsrestriktion spätestens 38+0 SSW. Auch dichoriate-diamniale Zwillingsschwangerschaften sollen nach 38+0 SSW eingeleitet werden, sofern eine primäre Sectio nicht gewünscht oder erforderlich ist.
Der Diabetes mellitus oder eine vermutete fetale Makrosomie oder eine Verminderung der Fruchtwassermenge allein stellen keine Indikation zur vorzeitigen Geburtseinleitung dar. Hier gilt, dass der Entbindungstermin nicht deutlich überschritten werden sollte!