Testung zum Ausschluss/ Nachweis einer Störung der Glukose-Toleranz bzw. eines Diabetes mellitus speziell in der Schwangerschaft (Gestationsdiabetes).

Aktuell werden 2 verschiedene Tests mit 50 bzw. 75 g Glucose angeboten.
Der 50g-Test (sog. Challenge-Test) erfolgt ohne Nüchternheit. 1 Stunde nach Verabreichung der Glucose-Lösung wird aus Plasma der Glukosespiegel gemessen. Der Grenzwert liegt bei max. 135 mg/ dl. Das Verfahren ist im Grunde nicht gut geeignet, einen Diabetes in der Schwangerschaft sicher ein- bzw. auszuschließen. Die Methode wird allerdings von den Kassen bezahlt.

Eigentlich wird von den Fachgesellschaften der 75g-Test favorisiert, der unter Nüchternheit erfolgt. Dieser Test mit definierter Menge an Glucose (75g) wird standardisiert zwischen 24 und 28 abgeschlossenen SSW angeboten oder bei Verdacht auf Diabetes in der Schwangerschaft (fetale Makrosomie/ Polyhydramnion oder entsprechenden Symptomen der Schwangeren wie Durst/ häufiges Wasserlassen/ Kreislaufdysregulation/ Unterzuckerung!) veranlasst.
Es gibt auch mehr und mehr die Tendenz, bereits deutlich vor 20 SSW einen Test auf Gestationsdiabetes durchzuführen. Derzeit ist der 75 g oGTT immer noch lediglich als individuelle Gesundheitsleistung erhältlich (sog. IGeL/ der Patient bezahlt die Untersuchung selbst/ ca. 30 €).

Wesentlich ist, dass die Schwangere nüchtern (letzte Nahrungsaufnahme mindestens 8 Stunden vorher) zur Untersuchung bestellt wird. Es sollte immer früh am Morgen getestet werden nachdem eine Schwangere Nüchternheit nicht gut toleriert. Das Verfahren nimmt gut 2 Stunden in Anspruch!

Zunächst wird ein Nüchternwert aus Venenblut bestimmt. Liegt dieser über 93 mg/ dl. kann der Test zwar fortgeführt werden, es besteht allerdings bereits der Verdacht auf einen Gestationsdiabetes bzw. vorbestehenden Diabetes mellitus bzw. eine orale Glucosetoleranzstörung (zur Differenzierung benötigt man eben alle 3 Messwerte). Der Nüchtern-Glucosewert sollte bei max. 92 mg/dl liegen.

Nach Bestimmung des Nüchternwertes nimmt die Schwangere das Glucosegetränk zügig ein und setzt sich in den Wartebereich. Es ist wichtig, dass die Schwangere ruht und nicht herumläuft, was die Untersuchungsauswertung beeinflussen würde. Es werden dann nach einer Stunde und nach zwei Stunden die Blutzuckerwerte kontrolliert.

Die Grenzwerte liegen den aktuellsten Studienergebnissen zufolge (HAPO-Studie = Hyperglycemia and Adverse Pregnancy Outcome) nach 1 Stunde max. bei 180 mg/dl und nach zwei Stunden bei max. 153 mg/dl. Der max. Nüchternwert wird mit 92 mg/dl angegeben. Sind die Ergebnisse unauffällig kann eine Glucose-Toleranzstörung bzw. ein Diabetes ausgeschlossen werden.

Die Werte sind gültig für Messungen im Plasma. Aufgrund der einfacheren Durchführbarkeit sowie der schnellen Auswertung wird aber in der Regel eine Bestimmung aus Kapillarblut (z.B. Fingerbeere) vorgenommen, was allerdings nicht den aktuellen Standards entspricht. Zur verlässlichen Bestimmung des Blutzuckers sollte ein spezielles Abnahmeröhrchen mit Natrium-Fluorid (NaF) verwendet werden, um falsch hohe Blutzuckerwerte zu vermeiden!

Ergibt sich nach dem Zuckertest ein Hinweis auf Gestationsdiabetes sollte zeitnah die Vorstellung bei einem Diabetologen (spezialisierter Internist) erfolgen, der die Diätberatung und die Einstellung der Blutzuckerspiegel ggf. unter Einsatz von Insulin veranlasst und überwacht.

Der Gestationsdiabetes stellt ein befundetes Risiko dar. Risiken für Mutter und/ oder Kind sind fetale Wachstumszunahme (fetale Makrosomie), Vermehrung des Fruchtwassers (Polyhydramnion), vorzeitige Wehentätigkeit, vorzeitiger Blasensprung, Zunahme vaginaler Infektionen und damit in erster Linie erhöhtes Frühgeburtsrisiko. Ferner nimmt die Rate an Kaiserschnitt/ Sectio zu.
Die Kinder gelten trotz hohem Geburtsgewicht als unreif und neigen in den ersten Lebenstagen zu Anpassungsstörungen, Unterzuckerung und Temperaturdysregulation; sie werden nach der Geburt häufig zur Überwachung in die Kinderklinik verlegt.