häufige Erkrankung des Zuckerstoffwechsels mit Störung des Insulinhaushaltes und des Fettstoffwechsels; Folge ist die ständige Erhöhung des Blutzuckerspiegels (Hyperglykämie) mit z. T. erheblichen Auswirkungen auf den gesamten Stoffwechsel, den Hormonhaushalt sowie das Gefäß- und Immunsystem. Häufig kommt es zu Organveränderungen z. B. in Nieren, Augen, Leber, Bauchspeicheldrüse, Darm, Haut u. a.

Der Diabetes mellitus führt zu einer deutlich erhöhten Morbidität und Mortalität. Aufgrund seiner Häufigkeit (ca. 10% der Bevölkerung!) spricht man von einer Volkskrankheit.
Man unterscheidet mehrere Arten des Diabetes nach der Insulin-Abhängigkeit (IDDM, Insulin-dependent Diabetes Mellitus bzw. NIDDM, non Insulin-dependent Diabetes Mellitus) sowie den Gestationsdiabetes (durch die Schwangerschaft bedingt) und andere Formen z.B. bei Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse oder des Immunsystems. Manche Einteilung spricht auch von primärem oder juvenilem Diabetes (in der Kindheit bereits auftretend) und von sekundärem (erworbenem) Diabetes mellitus. Zu letzterer Form wird auch der Gestationsdiabetes gerechnet.
Sprach man früher beim Typ-II-Diabetes von einer Erkrankung des Alters tritt ein Typ-II-Diabetes immer häufiger in jungen Jahren auf (z. T. bereits mit 18 oder 20 Jahren).
Der wesentliche Unterschied zwischen Typ-I- und Typ-II-Diabetes liegt darin, dass beim Typ-I durch (auto)immunologische Prozesse die Bauchspeicheldrüse erkrankt ist und damit kaum oder kein Insulin mehr produziert wird; damit besteht ein Insulinmangel. Beim Typ-II-Diabetes kann die Insulinmenge vorübergehend sogar erhöht bzw. normal hoch sein. Durch Fehlernährung, Bewegungsmangel und Stoffwechselveränderungen (metabolisches Syndrom) entsteht eine Insulinresistenz, d. h. Insulin kann am Rezeptor an der Zielzelle (Leber/ Muskel/ Gehirn) nicht seine eigentliche Wirkung entfalten. Dadurch wird Zucker nicht mehr in die Zelle transportiert und der Blutzuckerspiegel nicht gesenkt. In beiden Fällen resultiert eine ständige z. T. massive Erhöhung des Blutzuckerspiegels (Hyperglykämie). Die Folgen sind auf Dauer dramatisch und nehmen erheblichen Einfluss auf nahezu den gesamten Stoffwechsel sowie das Gefäßsystem.

Zum Ausschluss bzw. Nachweis eines Diabetes erfolgt speziell in der Schwangerschaft (Gestationsdiabetes) ein oraler Glukose-Toleranztest (oGTT). Die Bestimmung der Glucose im Urin (Glucosurie) dient nicht dem Nachweis oder Ausschluss eines Diabetes in der Schwangerschaft!!
Der Gestationsdiabetes entspricht dem Erkrankungsmechanismus zufolge einem Typ-II-Diabetes. Laborchemisch kann ein Typ-I-Diabetes durch den Nachweis von Autoantikörpern gegen Glutamatdecarboxylase geführt werden.
Die frühzeitige Diagnose und Therapie eines Diabetes ist aufgrund seiner schwerwiegenden Folgen essentiell. Als Besonderheit in der Schwangerschaft ist mit einer deutlich erhöhten Morbidität und Mortalität beim Feten zu rechnen. Zudem sind auch Langzeitfolgen für das geborene Kind zu erwarten. Außerdem ergeben sich nicht unerhebliche Risiken für die Schwangere selbst ebenfalls in Form von Spätfolgen (manifester Diabetes mellitus, Nierenschädigung, Augenveränderungen, Blutdruckerhöhung) sowie dem deutlich erhöhten Wiederholungsrisiko in einer weiteren Schwangerschaft (gut 50%).