häufige, durch Varizellen bzw. das Varizella-Zoster-Virus bedingte Infektionserkrankung. Zählt zu den häufigsten Kindererkrankungen. Die Immunitätslage in der erwachsenen Bevölkerung ist im Allgemeinen sehr hoch (93%), wodurch ein allgemein hoher Schutz gegenüber Windpocken besteht. Trotz Impfung bzw. stiller Immunisierung nach durchgemachter Erkrankung verbleiben etwa 7% nicht immunisierte Menschen, entsprechend einem Frauenanteil von etwa 3,5%.

Bei einer jährlichen Anzahl von etwa 650.000 Schwangerschaften in Deutschland ergibt sich ein potentielles Risiko von mehr als 20.000 Infektionen pro Jahr; tatsächlich ergeben sich pro Jahr lediglich ca. 200 Fälle mit Windpocken während der Schwangerschaft, Verdachtsfälle sind naturgemäß häufiger.
Eine Infektion der Schwangeren gilt als durchaus problematisch, weil die Varizellen aufgrund der während der Schwangerschaft bestehenden Immunschwäche über die Plazenta (diaplazentar) auf das Kind/ den Fetus übertragen werden können. Abhängig vom Zeitpunkt der Infektion kommt es zum Absterben des Kindes (Fehlgeburt/ Abort) oder zu einer Embryo- oder Fetopathie. Die Übertragungshäufigkeit liegt bei etwa 25% (also von 100 infizierten Schwangeren kommt es in 25 Fällen zu einer Übertragung auf das Kind). Die Häufigkeit der dann tatsächlich infizierten und geschädigten Kinder wird bei etwa 1-2% angegeben.
Am häufigsten ergeben sich bei geschädigten Kindern Hautdefekte, Augen – sowie Gehirnschädigungen.
Eine Infektion nach 24 SSW führt offenbar durch die abnehmende Durchlässigkeit der Blut-Plazenta-Schranke nur noch selten zu einer Beeinträchtigung des Ungeborenen.

Demgegenüber gelten andere Gesetze bei der sog. angeborenen bzw. konnatalen Varizellen-Infektion. Diese Situation ist hoch problematisch. Bei einer Infektion um den Geburtszeitpunkt (fünf Tage vor bis zwei Tage nach Entbindung) kommt es bei fehlendem Antikörperschutz zu einer Windpockenerkrankung des Neugeborenen mit meist schwerwiegendem Verlauf bzw. hoher Sterblichkeit.
Auch für die Schwangere selbst kann eine Windpockeninfektion eine massive Problematik darstellen, denn Infektionen der Lunge (Pneumonie) und des Gehirns (Enzephalitis) verlaufen besonders schwer!

Eine Gürtelrose als endogenes Rezidiv (keine Neuinfektion) ist für die Schwangere und ihr Kind harmlos; die betroffene Schwangere ist ja dann naturgemäß immun. Liegt keine Immunität bei der Schwangeren vor, sollte der Kontakt mit einer Person mit Gürtelrose gemieden werden. Vor allem bei Vorliegen frischer Bläschen (die reichlich Viren enthalten!) kann eine Infektion stattfinden.
Bei der Mutterschaftserstuntersuchung erfolgt in Deutschland in aller Regel die Überprüfung der Schwangeren auf Windpocken-Immunität (VZV-IgG positiv).

Prophylaxe: Bei fehlender Immunität sollte mindestens drei Monate vor Eintritt einer Schwangerschaft eine Impfung erfolgen. Eine Impfung in der Schwangerschaft wird nicht empfohlen!
Bei versehentlicher Impfung in einer Schwangerschaft ist ein Schwangerschaftsabbruch nicht zwingend erforderlich!

Diagnostik/ Therapie: In der Frühschwangerschaft unbedingt den Immunstatus erheben. Bei fehlender Immunität sofern möglich entsprechende Kontakte meiden (Expositionsprophylaxe). Gelegentlich kann dies bedeuten, dass die Schwangere vorübergehend nicht mehr ihren Beruf ausüben kann oder darf (z.B. Tätigkeit in Schulen, Kindergärten, Kinderkliniken) und deshalb ein absolutes Beschäftigungsverbot benötigt.

Bei V. a. Infektion (positiver Nachweis von IgM) während der Schwangerschaft ggf. Therapie mit Hyperimmunglobulin innerhalb 96 Stunden nach dem Infektionszeitpunkt (sehr teuer! Kann ggf. Verlauf und Krankheitsfolgen abschwächen). Um den Zeitpunkt der Geburt muss die Schwangere unter stationären Bedingungen isoliert werden, es erfolgt ggf. eine passive Immunisierung, bei Wehentätigkeit ggf. Wehenhemmung (Tokolyse), um Zeit für die Bildung plazentagängiger Antikörper bei der Mutter zu gewinnen.
Bei Gürtelrose der Schwangeren ist eine Therapie mit Schmerzmitteln und Aciclovir möglich.