Eröffnung/ Eröffnen der Fruchtblase; physiologisch geschieht dies spontan unter der Geburt im Sinne eines sog. rechtzeitigen Blasensprungs. In aller Regel, tatsächlich aber nicht immer, wird der Blasensprung durch das Ablaufen von Fruchtwasser bemerkt. Es ist mitunter schwierig einen Blasensprung sicher zu diagnostizieren bzw. auszuschließen.
Eine Methode zum Nachweis eines Blasensprungs ist die Messung des Säuregehaltes in der Scheide (pH-Wert) mit einem speziellen pH-Papier oder pH-Indikator (Indikator Streifen). Der normale pH-Wert in der Scheide liegt deutlich im sauren Bereich (pH 4,0 bis 4,4). Fruchtwasser ist basisch und zeigt einen pH-Wert von 7,0.

Erfahrene Hebammen und Ärzte erkennen Fruchtwasser am typischen Aussehen (bernsteinfarben klar, im Prinzip wie Urin) und Geruch. Seit einigen Jahren gibt es Schnelltests zur Blasensprungdiagnostik, die innerhalb weniger Minuten mit einer Genauigkeit von 99% anhand des Nachweises spezieller Antikörper gegen Proteine im Fruchtwasser (PAMG-1) den Blasensprung sichern oder ausschließen. Besteht auch dann noch Unklarheit kann eine sog. „Blauinstillation" in die Fruchthöhle erfolgen. Hierzu wird praktisch wie bei einer Fruchtwasserpunktion (Amniozentese) die Fruchthöhle mit einer Nadel anpunktiert, aber kein Fruchtwasser entnommen sondern umgekehrt Flüssigkeit in die Fruchthöhle gegeben (Fruchtwasserauffüllung/ engl. amniotic fluid instillation - AFI). Die Flüssigkeit wird mit einem intensiv blau färbenden Farbstoff (Indigokarmin) versetzt, der seinerseits keinerlei schädigende Wirkung für das Kind besitzt. Besteht ein Blasensprung, würde die Flüssigkeit über die Scheide ablaufen und einen dort für kurze Zeit platzierten Tupfer oder Tampon blau oder grün-blau verfärben. Tritt das ein gilt der Blasensprung als gesichert.

Die sonographische Messung (Ultraschallbestimmung) der Fruchtwassermenge als sog. Quadrantenmessung bzw. Bestimmung des Fruchtwassermengen-Index (Amnion-Fluid-Index, AFI) liefert lediglich Hinweise auf einen Blasensprung, wenn die Fruchtwassermenge entsprechend vermindert ist oder erscheint. Ein sicherer Beweis lässt sich anhand des Ultraschalls nicht liefern.

Tritt der Blasensprung in der frühen Eröffnungsphase auf, wird er als frühzeitig bezeichnet.
Der vorzeitige Blasensprung beschreibt die Situation bei fehlender Wehentätigkeit, oft in einer sehr frühen Phase der Schwangerschaft, selten vor der Lebensfähigkeit (< 24 SSW); letzteres wird als früher vorzeitiger Blasensprung bezeichnet. Komplikationen ergeben sich aus dem Risiko der Infektion der Eihäute (Chorio-Amnionitis) und des Kindes. Es besteht auch die Infektionsgefahr der Gebärmutter und des Bauchfelles (Peritonitis) und damit verbunden die Infektion der Schwangeren bis hin zu einer generalisierten Infektion (Sepsis). Zudem erhöht sich das Risiko einer Frühgeburt.
Gelegentlich wird ein Blasensprung aus diagnostischen bzw. geburtsmedizinischen Erwägungen absichtlich herbeigeführt (instrumenteller Blasensprung). Der Blasensprung tritt auch als mögliche Komplikation nach invasiver Diagnostik wie Fruchtwasseruntersuchung (Amniozentese), Chorionzottenbiosie (CVS) oder Nabelschnurpunktion (Cordozentese) mit einer Häufigkeit von ca. 0,5 – 1 % auf.

Die Therapie im Sinne einer Infektionsprophylaxe für Mutter und Kind besteht in der Antibiose mit Penicillin-ähnlichen Medikamenten (Amoxicillin, Ampicillin), Cephalosporinen oder Makroliden (Erythromycin und dessen Varianten). Zur gezielten Abstimmung der Antibiotika-Therapie erfolgt ein vaginaler Abstrich zur Keimbestimmung mit Antibiogramm. Hierbei wird die Wirksamkeit verschiedener Antibiotika (Sensibilität) auf die nachgewiesenen Keime getestet, um eventuelle Resistenzen und somit Unwirksamkeit der Therapie zu vermeiden.

Bei (frühem) vorzeitigem Blasensprung besteht das Management vor 34 (36) SSW neben der Antibiose in eingeschränkter Bettruhe mit Thrombose-Prophylaxe mittels niedermolekularem Heparin und Anti-Thrombose-Strümpfen.
Vor 34 kompletten SSW erfolgt zur Beschleunigung der fetalen Lungenreife (sog. RDS-Prophylaxe) die intramuskuläre Injektion von Plazenta gängigen Kortikoiden (Betametason / Dexametason); die Injektionen erfolgen zweimalig innerhalb von 24 Stunden. Bei sog. "schneller RDS"-Prophylaxe kann in bestimmten Fällen das Intervall auf 12 Stunden verkürzt werden. Besteht Wehentätigkeit erfolgt zur Durchführung der „Lungenreife" eine Wehenhemmung (Tokolyse) mit z.B. Fenoterol, Atosiban (Oxytocin-Antagonist) oder Nifedipin (Kalzium-Antagonist); auch andere Wehenhemmer sind bekannt (Magnesium, Nitroglycerin, Indometacin) aber nicht so wirksam oder zeigen unangenehme Nebenwirkungen.

Grundsätzlich ist eine Wehenhemmung aufgrund der möglichen Nebenwirkungen nicht unproblematisch, weshalb die Indikation streng gestellt, die Dosierungen und Dauer der Anwendung so gering wie möglich gewählt werden sollten.