fetale Lagevariante der Längslage; auch Steißlage genannt; abgekürzt auch BEL.

Untervarianten sind: einfache, reine Steißlage (extended legs), vollkommene und unvollkommene Steiß-Fußlage, vollkommene und unvollkommene Fußlage und Knielage.

Wesentlich ist, dass nicht der Kopf den vorangehenden oder führenden kindlichen Teil darstellt, sondern der Steiß und/ oder Teile der unteren Extremitäten. Aus geburtsmechanischer Sicht entsteht dadurch eine durchaus komplexe und komplizierte, manchmal nicht geburtsmögliche Situation, weswegen das geburtshilfliche Vorgehen bei BEL seit Jahren zu umfangreichen, manchmal kontroversen und durchaus emotionalen Diskussionen hinsichtlich des geeigneten Entbindungsmodus geführt hat.

Die Mehrzahl der heutigen Geburtsmediziner empfiehlt unter anderem aus fehlender Erfahrung, Angst vor Geburtskomplikationen und nachfolgenden Regressansprüchen, logistischen sowie finanziellen Erwägungen die abdominelle Schnittentbindung, auch weil die Kaiserschnitt-Operation heute relativ einfach, schnell und kostengünstig sowie Personal sparend durchzuführenden ist (Sectio nach Misgav-Ladach). Natürlich spielen in der Entscheidung grundsätzlich medizinische Überlegungen eine Rolle.

Aufgrund der hohen Kaiserschnittrate bei Beckenendlage fehlt es mittlerweile in vielen Entbindungskliniken an ausreichend qualifiziertem Personal (Hebammen und Ärzte), das mit entsprechender Erfahrung eine vaginale Entbindung aus BEL leiten und auf schwierige Situationen mit der nötigen Routine reagieren kann. Aus der Presse als auch den Fachzeitschriften ist zu entnehmen, dass ohnehin ein Ärzte- bzw. Fachärztemangel in den Kliniken besteht, so dass in der Summe aufgrund des Mangels an personellen und finanziellen Ressourcen ein vaginales Vorgehen im Sinne einer vaginal assistierten Beckenendlagenentbindung oder Spontangeburt aus Beckenendlage (nach Thiessen) nur noch in wenigen Zentren angeboten werden kann (z.B. Klinikum Nürnberg Süd/ Schwerpunkt Geburtshilfe/ www.klinikum-nuernberg.de).

Ein weiterer Grund ist, dass die Situation des Entbindungs-Teams aus medizin-juristischer Sicht als außerordentlich riskant einzustufen ist; dies führt verständlicherweise zu einer eher defensiven Einstellung, die fast ausschließlich einer geplanten Sectio (primäre oder elektive Sectio) den Vorzug gibt. Die werdenden Eltern vertrauen erfahrungsgemäß fast ausnahmslos der vermeintlich höheren Sicherheit des Kaiserschnitts und geben damit die Richtung vor.

Nach Expertenmeinung ist unter bestimmten Voraussetzungen die vaginale Entbindung aus BEL nicht wesentlich gefährlicher als das operative Vorgehen mittels Kaiserschnitt. Die in mehreren wissenschaftlichen Abhandlungen beschriebene scheinbar höhere Komplikationsrate ist nachweislich Resultat erheblicher methodischer Fehler der Studien. Das überzeugt erfahrungsgemäß den medizinischen Laien kaum, eine sachliche, geburtsmedizinisch fundierte Diskussion ist bei diesem Thema trotz gegenteiliger Datenlage kaum möglich.

Die Empfehlung für die Schwangere/ das Elternpaar lautet deshalb, das Vorgehen zu wählen, das den Vorstellungen und Interessen der Schwangeren/ des Elternpaares entspricht, um dann die dafür am besten geeignete Geburtsklinik auszusuchen. Hierzu bietet es sich an, einen Beratungs-/ Vorstellungstermin zu einem Aufklärungsgespräch nach etwa 34/ 35 SSW in der entsprechenden Klinik zu vereinbaren, um für beide Seiten Vorbereitungen zur Entbindung zu treffen und die Zustimmung der Patientin nach angemessener Aufklärung einzuholen (informed consent).

Alternativen im Management: sog. Äußere Wendung nach 36/ 37 kpl. SSW, bei der versucht wird, das Kind mittels spezieller Handgriffe von außen in eine Schädellage zu bringen. Das Vorgehen ist aufgrund des geringen Erfolgs und der möglichen, nicht unerheblichen Komplikationen und eventuellem Not-Kaiserschnitt nicht wirklich als Alternative einzuschätzen. Man muss sich zudem überlegen, dass auch Geburten aus Schädellagen in einem Kaiserschnitt enden oder sich zu einer Notsituation entwickeln können. In ca. 35% der Fälle findet eine spontane Rückdrehung des Kindes statt. Wendungsversuche können auch durch Moxibustion, Indische Brücke, Akupunktur oder vielleicht einfach durch Abwarten erfolgen.