Herpes-Simplex-Virus (HSV). Gruppe von Viren, die durchaus intensive gynäkologische und geburtsmedizinische Bedeutung besitzen.
Zu den 5 humanen Herpes-Viren zählen das HSV 1 und 2 (1= Herpes labialis, 2=Herpes genitalis), das Cytomegalie-Virus (CMV, Cytomegalie, HHV 5), das Ebstein-Barr-Virus (EBV, HHV 4, Pfeiffersches Drüsenfieber bzw. infektiöse Mononukleose) und das Varizella-Zoster-Virus (VZV, HHV 3, Windpocken/ Herpes Zoster).

Die geburtsmedizinische Relevanz des Herpes simplex 1und 2 (vor allem des genitalen Typs 2) liegt in der möglichen Infektion des Kindes während Schwangerschaft und Geburt (vertikale Infektion/ konnatale Herpes-Infektion). Die Folgen können für das Kind leider beträchtlich sein. Herpes Infektionen zählen zu den häufigsten angeborenen Infektion mit immerhin 3 von 1000 Neugeborenen pro Jahr. Häufig sind ZNS, Augen und Haut aber auch andere Organe (Leber, Nieren, Lymphknoten) betroffen. Schwerwiegende neurologische Schädigungen sind nicht selten, die Mortalität wird mit bis zu 90% beziffert!

Von Bedeutung sind nicht nur Erstinfektionen, auch eine zeitlich zurückliegende Infektion während einer Phase der Immunsupression (z. B. Schwangerschaft) wieder reaktiviert werden (Rezidiv). Die Erstmanifestation einer genitalen Herpes-Infektion ist meist klinisch extrem schmerzhaft und zeigt neben dem typischen klinischen Bild typische Hauterscheinungen (wasserklare Bläschen, meist in Gruppen stehend auf gerötetem Grund), die zu einer relativ leichten Blick-Diagnose führen. Allerdings sind Patientinnen mit einer Rezidiv-Infektion zum großen Teil symptomlos (75%).

Die Problematik des Herpes-Virus liegt demnach in der Neigung zu wiederkehrenden Infektionen (Rezidiv) und deren manchmal extrem schwierigen Diagnose.
Die Diagnostik wird durch den direkten Virusnachweis mittels PCR gestellt (Sekrete aus Virusbläschen, Scheide, Zervix, Urin, Blut). Die Therapie erfolgt mit Aciclovir Tbl., bei einem Rezidiv sollte die Therapie vor der Entbindung mindestens 10 Tage vor dem VET wiederholt werden.

Bei florider Infektion sollte der Entbindung per Kaiserschnitt der Vorzug gegeben werden. Handelt es sich um eine Rezidiv-Infektion besteht durch einen Antikörperschutz des Kindes über die Mutter die Möglichkeit der vaginalen Entbindung. Gleichzeitig sollte eine Therapie mit Aciclovir erfolgen.

Für das Neugeborene ergibt sich nach konsiliarischer Vorstellung bei den Kinderätzten die Option der Therapie bzw. Prophylaxe mit Aciclovir.

Eine echte Prophylaxe gibt es für Schwangere nicht. Die passive Prophylaxe mit Immunglobulinen wäre theoretisch denkbar, ist aber hinsichtlich ihrer Effizienz umstritten und kostspielig! Ist eine genitale Herpes-Infektion aus der Vorgeschichte bekannt, sollten in der Schwangerschaft Kondome verwendet werden. Bei Infektionsverdacht des Partners erfolgt dessen Therapie in üblicher Weise mit Aciclovir.