Der Gebärmutterhals ist nach heutiger Kenntnis ein komplexes anatomisch-funktionelles Organ, das sich durch eine hoch differenzierte Bindegewebsmatrix sowie eine spezielle Blut- und Nervenversorgung auszeichnet. Dieses korkengroße, zylindrische Organ, das den Verschlussmechanismus der Gebärmutter außerhalb, insbesondere aber während Schwangerschaft und Geburt reguliert, ist in seiner Komplexität noch nicht vollständig verstanden. Normalerweise wird der Zervixkanal durch einen Schleimpfropf verschlossen, der die Konsistenz eines dickflüssigen Klebers aufweist und in erster Linie immunologische und antibakterielle Wirkung hat.

Nach operativen Eingriffen (Konisation), unter Einfluss von Infektionen oder Wehen aber auch spontan kann sich während der Schwangerschaft eine erhebliche Verkürzung oder Konsistenzminderung der Zervix einstellen.
Die Zervix, der Gebärmutterhals kann durch eine vaginale Sonographie gut beurteilt werden. Hierbei ergeben sich wichtige Informationen über den inneren Muttermund, die anatomische Beziehung zum vorangehenden Kindsteil, die Beziehung von Plazentaanteilen zum inneren Muttermund, eine eventuelle Trichterbildung des inneren Muttermunds (Funneling) und natürlich die Gesamtlänge der Zervix (mindestens 25 mm!).
Unterschreitet die Zervixlänge diesen Wert besteht ein deutliches Frühgeburtsrisiko.

Die klassische Zervixinsuffizienz stellt ein eher schleichendes Phänomen dar, d.h. sie wird eher zufällig entdeckt, nachdem sie zunächst meist keine Symptome zeigt. Möglicherweise ist die Zervixinsuffizienz Ausdruck einer genetisch bedingten Anlagestörung der Zervix. Denn bei einigen Schwangeren kommt es immer wieder zu diesem Ereignis und damit zu wiederholten Frühgeburten. Möglicherweise wird die Veranlagung sogar ererbt.
Die Therapie besteht wie bei der Zervixverkürzung nach Wehentätigkeit oder nach Infektionen in körperlicher und situativer Entlastung, ggf. systemischer bzw. lokaler antibiotischer Therapie, Einnahme von Magnesium und einer RDS-Prophylaxe (Lungenreife-Therapie) mit Kortikoiden vor 34 abgeschlossenen Schwangerschaftswochen. Zur Durchführung einer Lungenreife-Therapie kann parallel eine Wehenhemmung (Tokolyse) erfolgen.