vgl. Blutarmut; Absinken des Hämoglobin-Spiegels (Hb-Wert) mit großer Bandbreite an Ursachen; in der Schwangerschaft in gewissem Umfang natürlich (physiologisch) und zur Aufrechterhaltung der plazentaren Durchblutung sogar erforderlich.
Die Normalwerte für Hämoglobin (Hb-Wert) liegen zwischen 12 und 16 g/dl. Der Hb-Wert wird einfacher oft als „Eisenwert" bezeichnet (was genau betrachtet nicht ganz korrekt ist!)

Man unterscheidet eine mütterliche (maternale) und eine kindliche (fetale) Anämie:
Häufigste Ursache einer mütterlichen Anämie in der Schwangerschaft ist der Eisenmangel, weswegen eine Eisen-Substitution grundsätzlich Sinn macht.
Hierfür stehen unterschiedlichste Präparate zur Verfügung. Es ist darauf zu achten, dass Eisen in sog. zweiwertiger Form z.B. Eisen-(II)-sulfat verwendet wird, um eine ausreichende Resorption im Dünndarm zu gewährleisten. Zur Eisenzufuhr sollte gleichzeitig die Einnahme von Vitamin C erfolgen.
Ein wesentliches Problem der Eisensubstitution ist die Verwertung des Eisens, die bei oraler Aufnahme als eher gering zu erachten ist. Sind die Eisenspeicher entleert, werden etwa 500 mg Eisen benötigt, die vor allem oral nur schwer zugeführt werden können (eingeschränkte Resorption, Übelkeit, Brechreiz, Erbrechen, Magenbeschwerden, Durchfall).
Durch Injektionen oder Infusionen kann dies mit nur einer oder zwei bis maximal drei Behandlungen erreicht werden. Wenn Eisen oral zugeführt wird (Kapseln/ Tabletten) sollte man Brausetabletten meiden, zudem macht es Sinn, das Eisenpräparat mindestens 20-30 Minuten vor den Mahlzeiten und unabhängig von anderen Medikamenten einzunehmen.
Grundsätzlich sollte vor Beginn der Eisentherapie eine Kontrolle des Hb-Wertes mit Differenzierung der Anämieursache erfolgen. Denn nicht alle Anämieformen können oder dürfen mit Eisen behandelt werden, weil es sonst zu einer Eisenüberladung kommen kann (z.B. hämolytische Anämie, Kugelzellanämie, Thalassämie)!
Ab Hb-Werten unter 11 g/dl oder bei typischen Beschwerden wie Müdigkeit, Schwindel, Kreislaufbeschwerden, Herzklopfen, Kopfschmerzen, Schwitzen kann eine Eisensubstitution begonnen werden; bei Anämien unter 9-10 g/dl sollte zur Vermeidung der mütterlichen Beeinträchtigung und eines eventuellen Sauerstoffmangels beim Fetus eine Eisensubstitution unbedingt erfolgen.
Manchmal ist auch eine Bluttransfusion notwendig, die allerdings immer streng indiziert werden sollte (Infektionsrisiko/ allergische Reaktion/ Antikörperbildung/ Transfusionszwischenfall). Neuerdings stehen auch gut verträgliche Eiseninfusionslösungen zur Verfügung (niedermolekulares Eisen-III-Hydroxid-Dextran), die bis dato aufgrund allergischer Reaktionen insbesondere in der Schwangerschaft vermieden wurden. Zusätzliche diätetische Maßnahmen bestehen in der ausreichenden Flüssigkeitsaufnahme bzw. im Verzicht auf Coffein (Kaffee, schwarzer Tee) sowie Eigelb, weil diese Nahrungsmittel die Eisenresorption hemmen.
Unter Einnahme von Eisenpräparaten kann sich der Stuhl dunkel bis tief schwarz verfärben. Es kommt auch häufiger zu Verstopfung (Obstipation).

Ursachen der fetalen Anämie sind Infektionen (RingelrötelnParvo-B19-Virus) und die Antikörper vermittelte (immunologische) seltenere Blutgruppenunverträglichkeit bzw. häufigere Rhesusunverträglichkeit.
Es handelt es sich dabei um eine sog. hämolytische Anämie, d.h. es kommt zur Zersetzung bzw. Bildungsstörung der roten Blutkörperchen (Erythrozyten). In schwerwiegenden Fällen entwickelt sich infolge der zunehmenden Herzinsuffizienz ein Hydrops fetalis, der nicht selten tödlich verläuft.
Die Therapie der fetalen Anämie besteht in der fetalen Bluttransfusion nach entsprechender Anämie-Diagnostik mittels Nabelschnurpunktion (Cordozentese). Seit einigen Jahren kann sowohl die Diagnostik, vor allem aber die Verlaufsdiagnostik der Anämie mittels Doppler-Sonographie unblutig anhand der Flussmuster und Flussgeschwindigkeiten in der A. cerebri media (mittlere Gehirnarterie) erfolgen.
Diese Methode hat sich gut etabliert und stellt in der Hand des erfahrenen Ultraschalldiagnostikers ein gutes Instrument bei der Beurteilung des Ausmaßes der Anämie bzw. des Therapieerfolges dar.